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Vom Betrüg’n gwandt ma si und vom Profit werd ma reich (III.)

Humor und Satyre.

Wie das Münchner Kindl die Gast- und Café-Häuser von München besucht hat und was es dabei erfahren.
(Zu Nutz und Frommen der Münchener hier gedruckt zu lesen.)

Im Gasthaus zum Franziskaner,

wo’s Löwenbräu-Aktien-Bier ausschänk’n, dös ein Tag gut, am andern recht schlecht is, is ma glei d’ Eingangsthür aufg’fallen, die net a mal ang’strichen is, und eher a Stallthür als a Gasthausthür gleich sieht. Mich wunderts nur, daß die Thür doch a Schloß hat, und net glei mit ‚a Stallbes’n von innen zug’spreitzt is, – es wa no viel nobler. I hab’ mi glei im außern Zimmer an ein Tisch g’setzt, und hab a wirkli, wie i so a Viertelstund g’wart hab’ mei Bier kriagt; – aber wia dös eing’schenkt g’wesen is, dös is nimma schön. Grad a halbs Quartl hat von dem Glas g’fehlt! Wenn i g’wußt hätt’, daß was nutzt, hätt i glei das Bier zu der Polizei nübertrag’n. Aba de andern Leut’ is a net besser ganga, – alle haben schlecht eing’schenkt kriagt, – und wie ma a Gast erzählt, darf ma si net a mal um sein gut’s Geld beschwer’n, sonst werd ma glei a Pfenningknauser und a Geizhals g’heiß’n. – Da glaub’ i ’s aba schon, daß der Wirth reich werd, auf die Weis profitirt er no extra alle Tag’ ein paar Eimer. Bedienung laßt a viel z’ wünschen übrig. Und sunst geht ’s a net übl zua. I mags net weita erzählen. A Kellnerin is da, i glaub Theres heißts, de soll früher a Schauspielerin g’wesen sein, – na de verstehts a Glock’n z’läut’n, de net wia d’ Kirchglock’n tönen. – Hund trifft ma beim Franziskaner a gnua an, was a kein Wunder is, halt si doch der dicke Wirth selber an großen Hund im Gastzimmer. Eh’ i no furtganga bin, is ma no des große Glück z’ Theil word’n, daß i ’n Wirth Herrmann selba g’seh’n hab. Er is grad durch’s Gastzimmer ganga wia a Gockel übern Hof und hat herablassende Blick auf seine Gäst g’worfen, als wenn’s a Gnad wär, wenn d’ Leut um 4 kr. a schlecht eing’schenkts Glad Bier bei ihm trinken dürfen. Ang’redt hab’ i den Wirth net, weil i net g’wußt hab, ob a mir a Antwort geb’n hät, und weil sei hohe Denkerstirn g’rad in Gedanken versunk’n g’wesen is, wahrscheinli darüber, wie viel Profit ihm heut’ in Taschen fallt. Vom Franziskanerwirth weg bin i beim bekannten

Café Maximilian

vorbei ganga, nei bin i aba net, denn das is stadtbekannt, daß der neue Pächter davon grad so theuer is wia d’ Buhl, – und daß d’ Kaffee dort eher nach Hutzelbrüa schmeckt, als nach Bohnen. – I bin also glei ins

Café Lorenz

ganga. A schön’s Lokal is, des muas ma sag’n. Aba wia jetzt d’rin g’wirthschaft werd’, des hat ma net g’falln. Glei bei da Thür bin i scho über an mordsgroß’n Hund g’stolpert, den de Studenten alle Tag mit nei nehma, damit a was z’fressen kriagt, von de Gäst nämli. Des g’hört sie aber net, daß da Scheib in sein Kaffeehaus Hund duld’, – und wen’s sogar Studentenhund san. Endli hab‘ i den Scheib selba g’seh’n; es is a untersetzt’s Mann’l, dem ma ja glei ansieht, das er gern Fleisch ißt, mit wenig Haar am Kopf, aber desto mehr auf die Zähn und an klana blonden, ausgegang’nen Schurrbart. I hät gern mit ihm red’n woll’n, aba da er seine Gäst net grüaßt, wia’s bei an Kaffeewirth Mod’ sei soll, so hab i ihn a net ang’redt. Zudem macht a seit neurer Zeit a recht betrüabt’s G’sicht und is allaweil kreuzfuchti. No i kon’s ihm grad net verdenk’n, is ihm ja erst sei Frau davon g’laufen, weil er’s so gern g’habt hat und ihr so handgreiflich Beweis von seiner Lieb geb’n hat und jetzt soll’s aba wieda kumma sei, bis Ehegericht entschieden hat. – Wer aba a Abwechslung hab’n will, dem rath i, in’s Lorenz z’ geh’n, da gibt’s alle 3 Tag a frische Kellnerin. Und meistens lauta schöne, feste Madel, was an guten G’schmack von Herrn Scheib beweist. – Ueber’n Kaffee kann i mi net beklag’n, er is gut, des muaß ma sag’n. De Bedienung macht sich a, wenn d’ Kellnerin net grad von an Studenten bussirt wird. – Wie i mein Kaffee austrunk’n g’habt, bin i wieda fort und nauf in’s

Café Victoria

wo g’rad a Conzert g’wes’n is. Des Kaffeehaus hoaßt net umsonst Viktoria. I wenigstens hab laut Viktoria! g’schrien, wia i den weiten Weg z’rucklegt g’habt hab. S’ Lokal is wirklich schön, es is des schönste Kaffeehaus in München; – aber alles is um d’ Hälfte z’ theuer, und d’ Bedienung dürft a schneller sei. Sunst hab’ i weita nix ausz’setz’n. I hab’ mi aba bald furtg’macht, weil i im Sinn g’abt hab’ a Redout’ no mit z’mach’n, und zwar in d’ »Westendhalle.« Daß a ma do gnua g’seh’n hob laßt sie denk’n, und i werd’s de Münchner morgen erzähl’n.
(Fortsetzung folgt.)
Münchener Volks-Zeitung Nr. 23. Dienstag, 28. Januar 1873.

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