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Vom Betrüg’n gwandt ma si und vom Profit werd ma reich (II.)

Wie das Münchner Kindl die Gast- und Café-Häuser von München besucht hat und was es dabei erfahren.
(Zu Nutz und Frommen der Münchener hier gedruckt zu lesen.)

Mir is schon öfters z’ Ohren kommen, daß d’ Münchna Gastwirth grad so macha, wie da hochlöbliche Magistrat, daß nämlich grad thuan, was sie woll’n, mags jetzt de Leut recht sei oder net, – auf d’ Gäst, de in jetziga Zeit, wo ma d’ Medizin glei beim Bräuer kriagt, so wie so net z’neiden san, passen de Wirth gar nimma auf. Ja bei vielen Bräuern und Wirthen hoaßt’s gar: Vom Betrüg’n gwandt ma si und vom Profit werd ma reich. Weil i jetzt grad Zeit hab’, muß i halt den Münchern z’ Lieb a mal alle Gasthäuser b’such’n und denen Wirthen, de da moana, sie derfa den Gästen in Tasch’n nei steig’n, g’hörig heimleuchten. Mei Erst’s war, daß i in’s

Münch’ner Hofbräuhaus

ganga bin. I hab’ ma eb’n denkt, weil s’ Hofbräuhaus königlich is und dem Staat g’hört, muaß ma außern guten Bier auch richtig’s Maß krieg’n und dabei reinli und g’fällig bedient werd’n. Aba da hab’ i mi g’waltig g’irrt. G’rad s’ Gegentheil hab i g’funden! Na, dö Wirthschaft im Hofbräuhaus kann i nöt lob’n.
Wia i nein bin in’s Wirthszimmer hob i mi auf a dreckige Bank niedersetzen müssen zu an Tisch, der ’s Putzen gar nöt g’wohnt is. Und wia d’ Wänd und da Bod’n ausschaug’n! Pfui Teufel, mir graust, so oft i d’ran denk. I sitz beinah a halbe Stund drin und koa Kellnerin hat sö derbarmt und hat ma a Bier bracht. Na bin i halt aufg’standen, hab ma an Kruag g’waschen und ’s Bier selber g’holt. Wia i oba nei schau in Krug hat blos a Quart g’fehlt. I b’schwer mi beim Schenkkellner und will ihm mei Moanung sag’n, derweil hoaßt’s: »Sauf Dei Bier wo anderst, wenns da nit gut gnua eing’schenkt ist.« No i bin z’frieden g’wesen mit dem Saustall, der da unten is, hab mei Bier austrunken, des nimmer so guat is, wie’s frühers war, u. hab’s verredt u. verschwor’n, daß i nimmer in’s Hofbräuhaus geh’. Aba recht schön nimmt sich’s aus, wenns königlich bayerische Hofbräuhaus mit’n schlechten Einschenken und mit der Unreinlichkeit den anderen Bräuern vorangeht. Für was die Hofbräuhausordnung gut ist, wo der Wirth seine Maß voll einschenen muß, woas i net; die Ordnung steht halt a blos am Papier u. der Wirth schert sie net d’rum. Ganz zornig d’rüber bin i über’s Platzl ganga, des ganz zum Hofbräuhaus paßt, und bin in’s

Cafe de l’Opera,

wo scho so viel Pächter drauf verdorb’n san. Zu ebner Erd’ is a Bierhalle, wo’s ganz nett u. reinli hergericht is u. wo’s a Hofbräuhausbier gibt, des blos 9 kr. kost! Im Ganzen is net übel in dem de l’Opera, nur hab’ i g’funden, daß um des theure Geld a bissel mehr z’ Essen hergeb’n könnten, ohne daß der Pächter in Schaden kommt. Und no was hat mir net g’fallen. Wia i mi zu an Tisch hinsetz’, kummt Kellnerin u. sagt: »Der is belegt, setzen’s Ihne wo anders hin.« I setz mi zu an andern Tisch, derweil hoaßt’s wieder »der is belegt.« Endli hab’ i an Tisch g’funden, der »net belegt« ist, und wia i rumschau, sieh ich, daß von den 14 Tischen, die da san, g’rad d’ Hälfte »belegt« ist. Nach ein paar Stunden san endlich die Herrn kumma, denen ma d’ Tisch aufg’hoben hat, und haben um 9 kr. ein Liter Bier trunk’n und um 10 fl. Spektakel g’macht. I bin natürli wieda fort und hab’s Gasthaus zum Franziskaner, wo früher dem Meiler seine Töchter so schön g’haus hab’n, aufg’sucht. Was i da erfahr’n hab, wie’s da zugeht, und was ma da passirt ist, des erzähl’ i morg’n.
(Fortsetzung folgt.)
Münchener Volks-Zeitung Nr. 22. Sonntag, 26. Januar 1873.

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