Visit Homepage
Zum Inhalt springen

Vom Betrüg’n gwandt ma si und vom Profit werd ma reich (I.)

Saufts euren Plempel selber

Bierbrauer Sünden. Der Redakteur der Münchner Volkszeitung wurde vor Kurzem zu 8 Tagen Arrest verurtheilt, weil er sich herausgenommen hatte, an die Münchner Bierbrauer in seinem Blatte folgende gesalzene und gepfefferte Ansprache zu richten:
»1.) Wenn ihr’s Bier so machen thät’, wie sich’s g’hört, mit Hopfen und Malz, nachher braucht’s kein Eis.
2.) Ihr Bierpantscher von 1873 aber wollt’s gar 8 Kreuzer für 1 Krüg’l begeh’rn, wahrscheinlich darum, weil’s statt’n Malz und Hopfen Natron, Antimonium, Eichenrinde, Belladonna, Traubenzucker, Reismehl, Glycerin, oder wie die Purgirmittel alle heißen, nei’ thut’s.
3.) Wenn die Bräuer das thun, nachher sollt’s euren Plempel, der alle Jahr a paar Hundert Münchner umbringt, selber saufen.
4.) Damit meine lieb’n Münchner wissen, wie die verschiedenen Bierpantscher und Medizinsieder heißen, hat’s Münchner Kindl dös Taferl g’macht, auf dem die Namen von die saubern Herrn schön druckt zu lesen sein. Das Münchner Kindl meint, d’ Münchner sollen sich das Taferl mit die Bräuer zum Andenken einrahmen lassen und aufhängen«
Salzburger Chronik Nr. 153. Samstag, den 27. Dezember 1873.

Die angesprochene justiziable Ansprache an die Bierbrauer entstammt einer ausführlichen Artikelserie in der »Münchener Volks-Zeitung«, in der die örtlichen Gast- und Caféhäuser »besprochen« werden. Eine höchst lesenswerte Lektüre aus einer Zeit ohne Internet-Bewertungsportale.
Auszüge aus dieser Artikelserie werden folgen (Den Anfang macht die Besprechung des Hofbräuhauses und des Café de l’Opera). Allerdings – wer kein Bayrisch nicht kann, wird sich wohl schwer tun…

 

Kommentare sind geschlossen.