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Sterbehilfe & Selbstmord

Ein furchtbares Ereigniß hat eine geachtete Familie zu Paris in die größte Bestürzung versetzt. Mde. C. litt seit einiger Zeit an einer überaus schmerzhaften Brustkrankheit. Ihre Aerzte gaben sie gänzlich auf, die Qualen nahmen täglich zu und der Tod zögerte demungeachtet zu erscheinen, um sie zu befreien. Da faßte der älteste ihrer drei Brüder, Lehrer an einer der ersten Unterrichts-Anstalten von Paris, den Entschluß, seine zärtlich geliebte Schwester ihrer martervollen Lage zu entreißen. Er verfügte sich den 9. April an ihr Krankenlager, schoß ihr eine Kugel durch den Kopf und nahm die Flucht. In einem Briefe, den er an seinen Vater hinterließ, meldete er, daß er, beim Erbrechen desselben nicht mehr am Leben seyn würde. Der Unglückliche hat Wort gehalten – man fand in einigen Stunden darauf seine Leiche. Die letzten Worte seines Briefes an seinen Vater enthielten die Bitte, an der Seite seiner lieben Schwester begraben zu werden.
Münchner Tagsblatt Nr. 110. Mittwoch, den 21. April 1830.

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