Sie schlafen wo sie unterkommen

Daß man diese Kinder schlafend in den Hauseingängen findet ist nichts Neues. Fragt aber ein Gendarm solch ein Kind um Name, Wohnung, so darf er versichert sein, die Wahrheit nicht zu erfahren. Sie sind meist raffiniert an das Streunen gewöhnt. Will nun gar ein Aufsichtsorgan die Wahrheit erfahren und dieselben zur Polizei sistieren, so hat er das Publikum gegen sich, das ihm durchaus keine schmeichelhaften Namen zuruft. Die Kinder wissen dies, werden immer dreister, sie fühlen es daß sie Schutz finden, erregen in den Lokalen Mitleid, werden da und dort mit Speisereien und Getränken reichlich überhäuft und zuletzt ist ihnen dies Leben behaglich und sehnen sich weder mehr nach Schule noch an das Lernen, auch nimmer an das Elternhaus. Sie schlafen wo sie unterkommen.“
Münchener Ratsch-Kathl. 20. Januar 1897.

  • ISSN 2367 - 3907
    © Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.
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