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»Hol’ns Ihr Essen selba, wenn’s Ihna z’lang dauert«

Humor und Satyre.

Wie das Münchner Kindl die Gast- und Café-Häuser von München besucht hat und was es dabei erfahren.
(Zu Nutz und Frommen der Münchener hier gedruckt zu lesen.)
(Fortsetzung)

In der Westendhalle,

wo ein g’wisser Schwägerle aus Augsburg schon z’ Spitzeders Zeiten her als Pächter wirthschaft, war grad a Redoute vom Löhr. Daß i mir an Domino bei der Josefine Ott um sündtheures Geld g’nommen hab’, versteht si von selba, denn de Schand hab’ i den Münchnern net anthun woll’n, daß ’s Münchner Kindl bei a solchen G’sellschaft, wie in de Westendhalle z’samm kommt, kennt werd’. Na, übern Pächter hab’ i nix ausz’setz’n g’habt und d’ Bedienung, ’s Essen und Trink’n hats grad a g’than, für a Redout nämli, wo d’Narr’n eben für’n Narr’n g’halt’n werd’n. S’ Ewig-Weibliche war gnua da und i glaub’, daß d’ anwesenden Damen mehr Polizeikart’n in der Tasch’n g’habt hab’n als Eintrittskart’n an der Kasse abgeb’n word’n sin. Und no a Sort’n Mensch’n, de ma Louis hoast, hab’n a net g’fehlt. I hab natürli kei engagirt von den Karten-H-eiligen, denn i möcht koane mit a Hopfenstanga anrühr’n, vielweniger gar zum Tanzen und no was angaschiren. Aba a noble Herrn warn da, de i sammt der Maskirung doch kennt hab’, sogar Beamte und sittlich ernste Fortschrittler, was mi grad net g’wundert hat, san ja d’ Kart’n zu d’ Redout bei d’ Neuesten Nachrichten ausgeb’n word’n, de ma net mit Unrecht ’s Louisblattl hoast. I hab’ mir natürli’ d’ Gaudi ang’schaut und hab’ so mei Betrachtungen g’macht üba d’ Schlechtigkeit von d’ Weibsbilder, de da ob’n warn und üba de Dummheit von de Leut, b’sonders von dene alten Tateln, de besser thaten, wenn se sich in’s Bett leg’n würd’n, statt si mit Sch – schneidi net, ’rumz’treib’n, von denen in München wenigstens 2000, die einen mit de andern ohne hohe polizeiliche Erlaubniß rumlauf’n, daß a Schand is. De meisten Leut bei der Redout haben’s Schnepfen g’heißen. I find den Titel a ganz richti, denn so viel i weiß, san’s so a Art Strichvögel, de nur am Abend auf ’n Strich geh’n und de man an dem Lockruf »Pst! Pst!« leicht kennt. De Schnepfen san a g’sundheits- und sicherheitsg’fährliche Vögelgattung, de sich net leicht außrott’n lass’n, weil’s ’n Jäga selba aufsuch’n, statt daß d’ Jäga aufsucht. Se san aba a de größte Feind von den greane Schandarm, weil ’s von dene oft in »G’schäften« g’stört werd’n. De Schnepfen hab’n ihr Gut und Blut, Leib und Leben, ihre Unschuld und alles Uebrige untern Schutz ihrer Leibwach’, de Louis, g’stellt. Na mi hat’s g’freut, daß g’wisse Münchner scho so weit mit ihr’n sittlich-ernsten Fortschritt fortg’schritt’n san, daß d’ Schnepfen in München d’ Hauptroll’n spiel’n und daß sie sogar mit hoher polizeilicher Erlaubniß in München existir’n dürf’n. Ja, ja, München is fortg’schritt’n, München is a Großstadt, München is intelligent, München wird alle Tag schöner! Mit dem G’dank’n bin i fort von de Redout, auf de ein ganz and’rer Name paßt, bin z’ Haus in mei alte Wohnung, hab’ tüchtig ausg’jchlaf’n und bin am andern Tag zum Kaffee insCafé Perzel,ganga, wo i mi glei in alla Früh wieda ärgern hab’ müssn übern Kaffee und übern Kaffeevirth, der da glaubt, für d’ Münchna is jede Brüa gut. Ob i a Abspülwasser oder a Hutzelbrüa als Kaffee kriagt hab’, weiß i heut no net, a Kaffee is auf koan Fall g’wes’n. Mit de besten Wünsch für das Kaffeehaus hab’i mi bald fortg’macht und hab’ ma ’s neue Kaffeehaus, ’s

Café Karlsthor,

ang’schaut. Dem Kaffeehaus muaß ma nur Lob ertheil’n, der Kaffee is guat, die Bedienung macht sie a und i glaub’ ganz sicher, daß dös Kaffeehaus bald demCafé Danner,wo ma dö Gäst net extra höfli bedient, bedeutend Concurrenz mach’n wird. – Wias auf Mittag ganga is, bin i zum

Lachenden Wirth

in der Theatinerstraße, wo ma früher guat und a billig ess’n hat können. I sag’ früher, denn jetzt is g’rad ’s Gegentheil davon. Jetzt hilft Alles z’samm, daß dös Wirthshaus bald recht verschrien wird. A volli halbe Stund’ hab’ i wart’n müss’n, bis i a Teller Supp’n kriagt hab, wo höchstens 6 Löffel voll d’rin war’n. Nach a halb’n Stund hab’ i glückli mei Fleisch kriagt, dös i aba kaum g’seh’n hab. ’s Bier kost 4 kr. und is schlecht. Was mi aba am meist’n g’ärgert hat, dös war die Grobheit von einer Kellnerin: »Hol’ns Ihr Essen selba, wenn’s Ihna z’lang dauert,« hat’s mi ang’fahrn, wia i nach a halb’n Stund nach meiner Supp’n g’fragt hab. I hab dem Wirth a guate Besserung g’wünscht und bin später zum Schleibinger. Was i dort erfahr’n hab, dös kriag’n meini liab’n Münchner morg’n z’ lesen.
(Fortsetzung folgt.)
Münchener Volks-Zeitung Nr. 24. Mittwoch, 29. Januar 1873.

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