Kein Grab ist stumm

 

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Allgemeine Zeitung (1868)

Georg Merz.

München, 2 Juli. Die »Allg. Ztg.« hat unlängst eine Biographie J. v. Fraunhofers gebracht. Es ist nun wohl von allgemeinem Interesse einen kurzen Lebensabriß von Fraunhofers Schüler und Nachfolger am optischen Institut, Georg Merz, zu kennen, welcher am 12 Jan. 1867 aus diesem Leben geschieden.

Wir finden einen solchen in den »Astronomischen Nachrichten,« aus der Feder seines Sohnes Sigmund Merz, und geben hiemit das wesentliche. Georg Merz wurde, als der Sohn des Meßners und Leinwebers Anton Merz, zu Bichel bei Benedictbeuren geboren am 26 Jan. 1793. In der Klosterschule zu Benedictbeuren erhielt er nothdürftigen Elementar- und Strickunterricht. Dem letzteren konnte er gar keinen Geschmack abgewinnen, während das Rechnen ihm große Freude machte.

Als nun v. Utzschneider 1808 im säcularisirten Kloster Benedictbeuren ein optisches Institut einzurichten begann, und den Exconventualen P. Amand Rauch als Lehrer der Mathematik an demselben beschäftigte, bat Merz um Aufnahme. Sie ward ihm gewährt. Des Tags an der Schleifbank arbeitend, studierte Merz an den Abenden und bis spät in die Nacht Mathematik. Nach wenigen Jahren war er Vorarbeiter der Glasschleiferei, und nahm als Fraunhofers Gehülfe an den Berechnungen der achromatischen Objective theil, wie er auch die optische Montirung sämmtlicher Instrumente vorzubereiten hatte. Als nun 1826 Fraunhofer gestorben und selbst der Fortbestand des optischen Instituts einen Augenblick in Frage war, bot sich Merz voll edlen Selbstvertrauens als Geschäftsleiter an, und v. Utzschneider übertrug ihm sofort die Direction. Sein erstes Werk an der Spitze der Anstalt war die Spaltung des sechszölligen Objektivs für das Königsberger Heliometer. Fast zu gleicher Zeit (1829) konnte der von Fraunhofer begonnene Berliner Refractor aufgestellt werden, und ward ein ausgezeichnetes Mikroskop vollendet, überwelches damals der Physiologe Döllinger in einer Monographie berichtete. Von 1830 - 1835 wurde der große Refractor für München (Bogenhausen) mit einem Objektiv von 10½ Zoll, das damals bedeutendste dioptrische Werkzeug, hergestellt. Aber die Glanzperiode des optischen Instituts sollte erst noch beginnen. Im Jahr 1839 waren die berühmten Pulkowaer Instrumente vollendet, für welche Merz die sämmtlichen größeren Objektive gefertigt hatte. Das größte dieser Instrumente, ein Refractor von 21 Fuß Länge und 14 Zoll Oeffnung, hatte nahebei die dreifache effektive Oeffnung des mit Recht bewunderten großen neunzölligen Refractors von Fraunhofer zu Dorpat. Der Astronom v. Struve ergieng sich in den größten Lobeserhebungen über die Leistungen dieser neuen Gläser, und Kaiser Nicolaus erhöhte nicht nur aus eigenem Wohlwollen den Kaufpreis dieses großen Refraktors um 2000 fl., sondern verlieh auch Merz die goldene Medaille für Kunst. Die Astronomen aller Länder unternahmen eine förmliche Wallfahrt nach Pulkowa, und die vortrefflichen Leistungen von Merz hatten bald die allgemeinste Anerkennung gefunden. Es folgten sofort neue größere Aufträge. Die Sternwarten von Bonn, Kiew, Washington, Cincinnati und New-Cambridge entnahmen ihre Riesenfernröhre dem Münchener Institut. Letztgenannter Refractor, dem Hauptinstrument von Pulkowa gleich an Dimenston, bewährte nicht minder seine außerordentliche Kraft. In Bonds Händen war er bald ausersehen mit dem kostbaren Riesenreflector von Roß in Concurrenz zu treten. Nach Vollendung noch mancher mächtigen Instrumente, z.B. der zehnzölligen Refractoren der Sternwarten zu Moskau und Madrid, ward 1854 ein prächtiger Neunzöller nach Rom in die neue Sternwarte des Collegio Romano entsandt. Der Papst verlieh Merz das Ritterkreuz des St. Sylvesterordens, nachdem König Max II schon 1849 dessen hervorragende Leistungen durch Verleihung des Ritterkreuzes I. Classe des St. Michael-Ordens anerkannt hatte.

Merz war so glücklich im J. 1858 frischen Geistes das 50jährige Jubiläum seiner Thätigkeit im optischen Institut feiern zu können. Er ehrte den Tag durch eine Gabe von 4000 fl., womit er in einem Bürgerspital einen Freiplatz zum Besten der Arbeiter seines Instituts gründete. Ein Herzleiden mahnte endlich 1866 den thätigen Mann zur Ruhe, und als er ein Jahr später starb, wußte er die Leitung seines Instituts in den besten Händen, in denen seines Sohnes Sigmund Merz, der bereits, fast 25 Jahre lang mit ihm gearbeitet hatte.

Allgemeine Zeitung Nr. 188. Augsburg, Montag 6. Juli 1868.

 

 

 

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