Kein Grab ist stumm

 

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Biographisches Taschenbuch deutscher Bühnen-Künstler und Künstlerinnen (1837)

Constantie Dahn geb. Le Gaye, königl. bayrische Hofschauspielerin.

Ihr Vater war Kapellmeister in Cassel, zur Zeit des Westphälischen Königreichs und nachher in Braunschweig. Constantie Le Gaye wurde am 12ten Juni 1814 in Cassel geboren. Schon früh zeigte sie ein bemerkenswertes Talent für die Schauspielkunst. Im siebenten Jahre trat sie in Braunschweig in Kinderrollen auf. Viele Stücke, die für die ehemals berühmte Leotine Fay in Paris geschrieben waren, wurden übersetzt, und Constantie Le Gaye trat mit großem Beifalle darin auf. Interessant ist es auch, daß sie mit Leotine Fay im Aeußern große Aehnlichkeit hatte.

Im Jahre 1825 kam Constantie Le Gaye nach Hamburg, wo sie auch in Kinderrollen mit großem Beifalle auftrat. Sie verließ Hamburg wieder, um im Düsseldorfer Theater unter dem Direktor de Rossi zu wirken. Mit dieser Gesellschaft ging sie auch nach Aachen, wo sie als Rafaele (in dem Raupachschen Stücke) und in mehreren andern Rollen viel Aufsehen machte.

Im Jahre 1830 wurde sie wieder nach Hamburg engagiert, und trat mit großem Beifall als »Hannchen« im Wollmarkt auf. Ihre erste Rolle im eigentlichen Fache jugendlicher Liebhaberinnen war »Pfeffer-Rösel« die sie sehr oft hinter einander mit großem Beifall spielte.

Im Jahre 1833 heiratete sie Fr. Dahn, mit dem sie nach München ging, wo sie mit glänzendem Erfolge Gastrollen gab. Seit dem April 1834 ist sie mit ihrem Gatten bei dem Münchener Hoftheater angestellt, wo sie im Besitz der bedeutendsten Rollen im Fache jugendlicher Liebhaberinnen ist. Hier nun hat sich das Talent der jungen Künstlerin auf glänzende Weise entfaltet. Leontine Fay, die in Paris in Kinderrollen so großes Aufsehen machte, ist nachher nur eine Copie ihres großen Vorbilds, der Dem. Mars, geworden. Für Constantie Dahn war es ohne Zweifel ein Vortheil, daß sie kein solches Vorbild hatte, und ihre Kräfte frei entwickelte. Allerdings verleitete dieser Umstand sie anfangs zu manchen Uebergriffen, zu einer gewissen stürmischen Hast im Vortrage, Fehler, die sie jedoch bald selbst erkannte und beinahe gänzlich abgelegt hat, wie sie überhaupt im steten Fortschreiten begriffen ist, und bereits eine bedeutende Stufe in der Kunst erreicht hat.

Sie gehört jetzt unstreitig zu den vorzüglichsten Künstlerinnen Deutschlands. Sie ist in München der Liebling des Publikums, und zeichnet sich aus durch ihre Leistungen in der Tragödie wie im Lustspiel.

L. v. Alvensleben (Hrsg.): Biographisches Taschenbuch deutscher Bühnen-Künstler und Künstlerinnen; Zweiter Jahrgang; Fischer & Fuchs; Leipzig 1837.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.