Kein Grab ist stumm

 

Sektionen | Register | Suchen

 

<<< | >>>

 

 

 

Allgemeine Musikalische Zeitung (1822)

Der vorige Reichstag, und vorzüglich der Aufenthalt Sr. Maj. des Kaisers und Königs während demselben in Warschau war Ursache, dass fast zu gleichen Zeit drey berühmte Sängerinnen bey uns erschienen.

Mad. Campi aus Wien, die hier zuerst auftrat, erhielt außerordentlichen Beyfall, und fand auch die grössten Vortheile, wozu der Umstand nicht wenig beytragen mochte, dass sie eine Polin von Geburt ist. Eine Arie mit unterlegtem polnischem Texte: ich begrüsse dich, theures Vaterland etc. war das erste, was die vortrug. Sie gab drey Concerte und trat als Amenaide in Tancred von Rossini auf.

Mad. Sessi sang nur in zwey Concerten, gefiel im ersten, besonders in der Scene aus Romeo und Julie ebenfalls ungemein, und wollte sich noch in Scenen hören und sehen lassen; allein durch ein Missverständniss in Rücksicht der ferneren Preiserhöhung, unterblieb dies.

Dieselbe Ursache entfernte uns auch Mad. Campi, die aber das Glück hatte, von Sr. Maj. mit einem Fermoir, mit Brillanten besetzt, beschenkt zu werden, obschon für diessmal Se. Maj. nicht im Theater waren.

Mad. Catalani, die ihre Superiorität besonders durch die Erzwingung einer noch grössern Preis-Erhöhung der Plätze beurkunden wollte und der es nicht gelang, trat nicht öffentlich auf; sie entzückte ihre Verehrer durch ihren Gesang nur in ihrer Wohnung, und in einigen Privat-Gesellschaften.

Allgemeine Musikalische Zeitung Nr. 29 vom 17. Juli 1822.

 

 

 

<<< | >>>

 

Sektionen | Register | Suchen

 

ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.