Kein Grab ist stumm

 

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Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog (1897)

Munsch, Joseph, Historien- und Genremaler, geboren 4. Oktober 1832 zu Linz, arbeitete anfangs als Vergolder im Geschäft seines Vaters, kam aber seiner künstlerischen Begabung wegen 1853 auf die Münchener Akademie und förderte sich unter Professor Philipp Foltz so rasch und vollkommen, dass er schon 1856 ein ganz nach den Regeln dieser Schule componirtes Bild (Konradin und Friedrich von Baden vernehmen das Todesurtheil), freudig von der Kritik begrüsst, im Kunstverein ausstellen konnte. Dann malte M. nach seiner sorgfältigen Cartonzeichnung einen »Rudolf von Habsburg nach der Schlacht auf dem Marchfelde vor der Leiche Ottokars von Böhmen», worauf ein »Herzog Alba auf dem Rudolstätter Schlosse« (1860) und die »Ermordung des Herzogs von Guise« (1864) in gleicher Behandlung entstanden. Darauf wurde M. mit drei Fresken zu der grossen Bildergalerie des Baierischen Nationalmuseums betraut, darstellend den »Pilgerzug des Grafen Ekkehart von Schyren nach Palästina«, eine am Fusse des Peissenbergs spielende »Scene aus dem Bauernkrieg« und »Herzog Wilhelm V. als Armenvater« - wobei der Künstler in glücklicher Weise seine Aufgabe löste und die zur bildlichen Darstellung nicht besonders fügsamen Stoffe geschickt bewältigte. Dazu malte er auch, nach dem Carton des inzwischen verstorbenen Adam Huber, ein viertes Bild, wobei sich M. in rühmenswerther, edelster Humanität bewährte, indem er das wohlverdiente Honorar - den Hinterbliebenen seines Freundes überliess!

Dann aber wählte M., ganz dem Drange seines reichen Innern folgend, eine Reihe von genremässigen Stoffen, die er in ansprechendster Ausführung und feinster Farbengebung durchbildete, darunter die heitere »Einquartierung« in einem fürstlichen Prunkschlosse (1865), die Rettung eines »Findlings« (1866), eine wahrsagende »Zigeunerin« (1867), ein fröhliches »Concert«, die »Premiere einer Virtuosin«, täppische »Rekruten« (1868), einen köstlichen »Brautzug«, eine zärtliche »Erklärung« (1870), »Werbende Krieger« (1871) und gelangte damit schliesslich und fast gleichzeitig mit Anton Seitz zum kleineren Cabinetsstil sich wendend, in die ihm eigenthümliche Domäne, in welcher M. in überraschendes Feinheit und zartfühligster Färbung mit allen seinen Vorgängern wetteifernd excellirte. Diese meist im Costüm des vorigen Jahrhunderts mit Würfel- oder Schachspiel sich unterhaltenden Herren, diese zierlichen Matinées, die an witziger Lectüre sich erfreuenden Schöngeister, spintisirenden Forscher und nicht zu tief denkenden Gelehrten übten einen fesselnden Zauber auf den Beschauer. Munsch war auf allen Ausstellungen zu München, Wien, Berlin, Paris und London ein immer gern gesehener Gast, eine wahre Zierde jeglicher Exposition und Saison. Dabei hielt sich der Maler fortwährend frisch und neu, gleichviel ob er betende Mädchen (1877), einen lebensgefährlichen »Ehrenhandel« (vergl. »Kunst für Alle« vom 1. Juli 1888 und Vincenti in B. 227 »Allgem. Ztg.« vom 16. August 1888), das »Glück einer Mutter« (Holzschnitt in No. 35 »Ueber Land und Meer« 1879. S. 681) oder das Verklingen eines »Accords« (Holzschnitt in No. 48 »Ueber Land und Meer« 1886. S. 1032) zur Darstellung brachte, so dass ihm der wohlverdiente Ehrenname eines »deutschen Meissonier« und gefeierten Kleinmeisters erblühte.

Dazwischen entstanden als wahre Perlen seines Humors schon in frühester Zeit allerlei neckische Fest- und Tanzkarten zu den heiteren Faschings-Spielen und Maifesten »Jung-Münchens« und der »Tafelrunde« und noch 1885 lieferte er mit R. Beyschlag eine Serie von Schattenbildern »Aus dem Anglerleben« zum »Deutschen Fischertag«. Der kerngesunde, blühende Mann erlag am 28. Februar 1896 zu München, mitten im glücklichsten Schaffen, einer plötzlichen Lungenkrankheit.

Wurzbach, Biogr. Lexikon. 1868. S. 19 u. 61. Morgenblatt 62 »Allgem. Ztg.« vom 3. März 1896 und Kunstvereinsbericht f. 1896. S. 79.

H. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Berlin, 1897.

 

 

 

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