Kein Grab ist stumm

 

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Donau-Zeitung (1852)

München, 25. Juni. Der bayr. Landbote berichtet über den bereits gestern erwähnten Unglücksfall, in Folge dessen dem Hern Hierl jun. (zum Zengerbräu) seine ihm erst seit 8 Monaten vermählte Gattin, Tochter des Hrn. Schöttl (zum Faberbräu), durch den Tod entrissen ward, folgendes: Wie uns glaubwürdig versichert wird, verhält es sich damit folgendergestalt: Mad. Hierl, welche mit Mad. Pschorr (zum Hackerbräu) nach Altötting gereist war, hatte sich mit letzterer von da nach Neuötting, der Heimath der M. Pschorr, begeben. Beide Frauen machten einen Spaziergang an den Ufern des Isen und bei der starken Hitze und der Einsamkeit der Gegend kam ihnen die Lust, sich in dem Flüßchen zu baden. Mad. Hierl beging die Unvorsichtigkeit, zu schnell ins Bad zu steigen oder vielmehr zu springen, und ward plötzlich von einem Schlaganfalle betroffen, so daß sie untersank. Mad. Pschorr natürlich aufs Aeußerste erschrocken, eilt ihr zwar gleich zu Hilfe, vermag aber nur nach vieler Mühe und eigener Lebensgefahr, die während dem wahrscheinlich schon Ertrunkene ans Ufer zu bringen. Hier aber, von aller weiteren Hilfe entfernt, blieb der Mad. Pschorr nichts übrig, als sich schnell anzukleiden, zurückzulaufen und die ihr zunächst Begegnenden zur Hilfeleistung aufzufordern. Alle an M. Hierl gemachten Wiederbelebungsversuche blieben indeß leider erfolglos.

Donau-Zeitung Nro. 179. Vereinigte Blätter des Kourier an der Donau und der Passavia. Passau. Freitag, 2. Juli 1852.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

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