Kein Grab ist stumm

 

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Neuer Nekrolog der Deutschen (1850)

D. 25. zu München der Professor der Physisologie und vergleichenden Anatomie, Dr. Mich. Pius Erdl, an einem langwierigen Lungenleiden, in Folge eines zu Wien im verflossenen August erlittenen Blutsturzes. In der kräftigsten Mannesblüthe, im 32. Jahre, scheidet dieser, durch seltene Reinheit und Ruhe des Charakters wie durch reiche geistige Begabung ausgezeichnete Lehrer, der die innigste Neigung seiner Schüler, die Verehrung und Liebe Aller genossen die ihn näher kannten. An ihm verliert die Wissenschaft der vergleichenden Anatomie und Entwickelungsgeschichte ein Talent, das berufen schien, auf den Gang dieser, zum Theil neuen und zumal von Deutschen erst gestalteten Doktrin, durch glückliche Methode wie durch standhaften Fleiß, Gründlichkeit und ikonographische Fertigkeit fördernd einzuwirken. Seine Bildung hatte E. unter anderm auch durch bedeutende Reisen gewonnen. Er war im Orient mit v. Schubert, der ihn wie seinen Sohn liebte. Obgleich noch jung hatte E. doch schon Wichtiges in selbstständiger Forschung geleistet, wie z. B. über die Entwickelungsgeschichte des Hühnchens und des Menschen (die dazu von ihm selbst gestochenen Tafeln sind unübertroffen), und über ägyptische Fische. In praktischer Beziehung hat er sich durch eine neue, stark vermehrte Ausgabe von Oestreicher’s Atlas verdient gemacht. Er war Döllinger’s Lieblingsschüler und hat auch nach dessen Tode das hinterlassene Manuskript von dessen Physiologie herausgegeben. Nun ist die Hoffnung verschwunden, den unvergeßlichen Meister in seinem Schüler ersetzt zu sehen.

Neuer Nekrolog der Deutschen für das Jahr 1848. Weimar, 1850.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.