Kein Grab ist stumm

 

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Illustrirtes Unterhaltungs-Blatt (1889)

Hermann Kaulbach

(Mit Porträt auf Seite 81.)

Der treffliche Künstler, dessen Porträt wir den Lesern auf Seite 81 vorführen, Professor Hermann Kaulbach in München, ist der einzige Sohn des großen Wilhelm v. Kaulbach und am 26. Juli 1846 geboren. Der Vater wollte ihn nicht Maler werden lassen, sondern Hermann sollte Medicin studiren, und erst als ihm Piloty auf Grund einiger ihm vorgelegter Studienköpfe das Zeugniß ausstellte, daß er unverkennbar eine hohe künstlerische Begabung besitze, gab der Vater seinen Widerstand auf und liest den Sohn gewähren. Dieser trat nun 1867 in die Schule Piloty's ein und begann hier gleichzeitig und im Wetteifer mit Defregger, Kurzbauer, Gysis, Rosenthal u. A. seine künstlerische Laufbahn. Sein grosses Gemälde »Mozart's letzte Tage« (1874) errang ihm in Wien einen Preis und schuf dem jungen Maler einen eigenen künstlerischen Namen neben demjenigen, welchen er von seinem berühmten Vater geerbt hatte. Seither hat Kaulbach eine Reihe von hervorragenden Geschichts- und Genrebildern geliefert, so z. B.: »Sebastian Bach bei Friedrich dein Großen«, »Voltaire als Paris«, »Lucretia Borgia« und »Die Krönung der heiligen Elisabeth«. Sein letztes schönheitsvolles, poetisches Bild »Unsterblichkeit« hat der Prinz-Regent von Bayern aus seiner Privatschatulle ankaufen lassen und der Münchener Pinakothek zum Geschenk gemacht. Gleichzeitig erhielt der Künstler den Professortitel. Hermann Kaulbach hat sich auch als Illustrator in seinen Kompositionen für die »Gustav Freytag-Gallerie« und den »Kartons« zu den beliebtesten Opern hervorgethan. Sein Grundzug ist der Idealismus, dabei verbindet er mit reicher Gestaltungsgabe und Phantasie, mit großartiger Konzeption und feiner Charakterisirung ein hervorragendes Talent für Farbe.

Illustrirtes Unterhaltungs-Blatt No. 11. Wöchentliche Beilage zum Darmstädter Tagblatt. Darmstadt, 1889.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.