Kein Grab ist stumm

 

Sektionen | Register | Suchen

 

<<< | >>>

 

 

 

Beiwagen zum Volksboten (1855)

Bayern. München, 7. April. Der eben verewigte General der Infanterie, Anton Frhr. v. Gumppenberg hatte schon 1805 als Lieutenant bei Erstürmung des Strubpasses durch die Bayern unter General Deroy sich ausgezeichnet, dann die Feldjahre 1805 bis 1807 mitgemacht und im letztern Jahr den Militär-Max-Joseph-Orden erworben: denn als 1807 am 24. Juni Morgens 1 Uhr unter dem Kartäschenfeuer der schlesischen Festung Glatz binnen 2 Stunden sämmtliche 10 Redouten des feindlichen Lagers sammt allen Kanonen mit stürmender Hand genommen, die Vertheidiger theils niedergemacht, theils gefangen wurden, zeichnete Anton v. Gumppenberg, damals Lieutenant des 1. Infant.-Leibregiments, geführt durch Oberst Ströhl, sich so sehr durch seine heldenmüthige Tapferkeit aus, daß ihm dafür als verdienter Preis jener hohe Orden auf die Brust geheftet ward.

Im Jahr 1809 bei Abensberg, wo Kaiser Napoleon die österreichische Division Thierry bei Offenstetten selbst drängte und umzingelte, zeichnete er sich als Oberlieutenant und Schützenkommandant des 1. Infant.-Regiments neuerdings so aus, daß er das Kreuz der Ehrenlegion erhielt. Hier war es auch, wo er die Aufmerksamkeit König Ludwigs (damals Kronprinz), welcher ihn später so lieb gewann, auf sich gezogen haben mochte.

Kurz darauf wurde er zum Hauptmann und 1816 zum Major befördert. Die höheren Stellen erstieg er größtentheils in Folge seiner Anciennetät. Das Vertrauen König Ludwigs, welchen er auf mehreren Reisen begleitete, übertrug ihm in späterer nicht lange zurückliegender Zeit das Kriegsministerium, welches er bis in's Jahr 1847 bekleidete. Im Jahr 1848 wurde er zum Generallieutenant befördert und bewährte auch seitdem eines Theils als kommandirender General, andern Theils in der Kammer der Reichsräthe die unermüdliche Thätigkeit, durch welche er sich stets ausgezeichnet hat. Auch an den Arbeiten des letzten Landtags hatte er regen Antheil genommen und bereitete sich, eben die Führung seines 2. Armeekorps wieder zu übernehmen, als ihn zu früh für das Vaterland, der Tod ereilte.

Seit vielen Jahren glücklich vermählt, hinterläßt er eine trauernde Wittwe, 2 Töchter und 2 Söhne, von denen der ältere Rittmeister im 3. Chevaurlegers-Regiment und Ordonnanzoffizier Sr. Maj. des Königs, der jüngere Hauptmann im 3. Artillerie-Regiment ist. (Das militärische Leichenbegängniß des Hingeschiedenen findet am Montag vom Leichenhause aus statt mit all' den Ehren, die einem Marschall gebühren, da er Max-Josephsritter war und als solchem ihm die Ehrenbezeugungen des nächst höheren Grades zustehen. Die Leiche wird sodann auf das Gut des Verewigten abgeführt.)

Beiwagen zum Volksboten für den Bürger und Landmann No. 13. Sonntag, den 8. April 1855.

 

 

 

<<< | >>>

 

Sektionen | Register | Suchen

 

ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.