Kein Grab ist stumm

 

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Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Döllinger Johannes Josef Ignaz, Dr. theol., von, 1799 (Bamberg) - 1890, katholischer Theologe, Historiker und Universitätsprofessor; er studierte in Würzburg und Bamberg Philosophie und Theologie, wurde 1822 Priester und nach kurzer Verwendung in der Seelsorge 1823 Professor der Kirchengeschichte und des Kirchenrechts am Lyzeum in Aschaffenburg und 1826 Universitätsprofessor in München; als Hauptvertreter der katholischen Restauration um J. J. von Goerres und F. von Baader trat er bald zur verwandten Strömung in Westeuropa in Beziehung; neben seinen wissenschaftlichen Arbeiten widmete er sich dem publizistischen Kampf, so mit Goerres für Erzbischof Droste zu Vischering beim »Kölner Ereignis« 1838, als Mitbegründer der historisch-politischen Blätter 1838 und als Landtagsabgeordneter und Mitglied des Frankfurter Parlaments; 1847/50 trat er unter persönlichen Verlusten (Amtsenthebung 1847) für die kirchliche Freiheit ein und spielte eine wesentliche Rolle bei der Würzburger Bischofsversammlung 1848 (Idee einer romtreuen Nationalkirche), bei der 3. und 4. Generalversammlung des »Katholischen Vereins« (1849/50) und der Gründung des Bonifatiusvereins 1849; nach Arbeiten aus der Kirchengeschichte (u. a. anfechtbare über die Reformation) kehrte D. wieder zur Kirchenpolitik zurück (2 Vorträge 1861 in München über die Zukunft des Kirchenstaats zogen ihm bei der Kurie, den Jesuiten und im Mainzer Erneuerungskreis Gegner zu); Überbetonung des Werdens auch in der Kirchengeschichte und seine staatskirchliche Bewertung des Syllabus 1864 führten zu Spannungen und Verdächtigungen; die unterbliebene Berufung zum 1. Vatikanischen Konzil wurde ihm letzter Anstoß, dieses als »Janus« und »Quirinus« anzugreifen; das Unfehlbarkeits-Dogma lehnte D. zugunsten letzter Entscheidungskraft der allgemeinen Kirchenversammlungen ab; die nur zögernd 1871 verhängte Exkommunikation beugte ihn nicht, doch schloß er sich nicht der mit seinem Zutun entstandenen altkatholischen Kirche an, verzichtete auf Vorlesungen und kirchliche Funktionen und verharrte trotz mancher polemischer Reden als Rektor der Münchener Universität (1872) und Präsident der BAkdW (seit 1873) in grundsätzlicher, doch begrenzter Bereitschaft zur Rückkehr; D. war kein unpriesterlich kalter Verstandesmensch, er wurde nicht das Opfer personeller Verhältnisse in Rom und München, sondern der eigenen wissenschaftlichen Überzeugung, die ihn im Bann des alten Konziliarismus festhielt und in verderbliche Nähe des Historismus brachte.

Hauptwerke: Die Reformation (3 Bde.), Christentum und Kirche, Kirche und Kirchen, Papsttum und Kirchenstaat, Die Papstfabeln des Mittelalters, Beiträge zur politischen, kirchlichen und Culturgeschichte der 6 letzten Jahrhunderte (3 Bde.), Geschichte der Moralstreitigkeiten in der römisch-katholischen Kirche seit dem 16. Jahrhundert (2 Bde.).

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.