Kein Grab ist stumm

 

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Bayerische National Zeitung (1834)

Walhalla.

Franz Xaver von Häberl

Doktor der Philosophie, der Medizin, und Chirurgie, königl. bayr. Obermedizinalrath, ehemaliger Direktor und ordinirender Arzt des allgemeinen Krankenhauses in München, Ritter des Civilverdienstordens der bayerischen Krone und Mitglied der königl. bayer. Akademie der Wissenschaften in München, der französischen in Colmar und der königl. medizinischen Gesellschaft in Keppenhagen

feiert

heute den 16. Februar 1834.

sein ehrenvolles fünfzigjähriges Doktor-Jubiläum.

Dem Verdienste seine Krone.

München, 16. Febr. Am 25. März 1809 feierten die dankbaren Bürger der Hauptstadt München den 50. Geburtstag des obengenannten hochverehrten Patrioten; heute begehen die Aerzte und der Magistrat derselben Stadt das fünfzigjährige Doktorjubelfest des hochverdienten Greises auf gleich festliche Art.

Franz Xaver Häberl erblikte das Licht der Welt am 25. März 1759. Sein Vater war ein wakerer Bauer in Oedlkam, Landgerichts Miesbach. Den ersten Unterricht erhielt er in der dortigen Dorfschule; aber die Hrn. Pfarrer der Umgegend bemerkten höhere Talente in dem Knaben und so wurde denn Häberl's Beruf das Studium. Die drei ersten Schulen machte der fleißige Knabe im Kloster Dietramszell unter Leitung der beiden Professoren Sedelmaier und Mauser. Sodann kam der emsige Schüler ins Seminarium nach München, vollendete daselbst die Gymnasialstudien, die Kurse der Philosophie und Physik, erhielt die ehrenvollsten Fortgangszeugnisse, kam dadurch in das Kollegium Albertinum der hohen Schule in Ingolstadt und widmete sich der Medizin. Dort blieb er 1781 und 1782. Strebend nach umfassenden klinischen Kenntnissen, die ihm Ingolstadt nicht im gewünschten Grade bieten konnte, bezog er die Universität Wien, um unter Anleitung des berühmten Dr. Stoll an den Krankenbetten im heil. Dreifältigkeitsspitale sich Kenntnisse der praktischen Medizin zu erwerben. Der eifrige junge Mediziner bekam hier ein bösartiges Fieber. Geheilt und von guten Menschen unterstüzt kehrte er nach Ingolstadt zurük und erhielt am 16. Febr. 1784 die Würde eines Doktors der medizinischen Wissenschaften.

Schluß folgt.

Walhalla.

Franz Xaver von Häberl's
ehrenvolles fünfzigjähriges Doktor-Jubiläum.
Schluß:

Hierauf wurde Dr. Häberl praktischer Arzt in München. Seiner nahm sich besonders Dr. Baader, Leibarzt der Churfürstin Marianne besonders an. Häberl erwarb sich bald einen ausgezeichneten Ruf und trat 1788 in die Spitalpraxis bei den barmherzigen Brüdern und bei den Elisabethinerinnen. Einige hier gemachte und nach Koppenhagen geschikte medizinische Beobachtungen erwarben ihm die Aufnahme in die dortige medizinische Gesellschaft.

1791 vermählte sich Häberl mit Anna, Freiin von Geebök. Aus dieser Ehe wurden ihm ein Sohn und eine Tochter geboren. Seine täglich anwachsende Erfahrung führte ihn auf den Gedanken, es sei zwekmässig, die in den Krankenhäusern verdorbene Luft zu verbannen. Somit entstanden die Leibstühle und die Kanäle unter denselben; auf gleiche Art die Luftzufuhrs-Kanäle. Churfürst Karl Theodor sowie die bayer. Landschaft und der Münchner Magistrat unterstüzten den Wohlthäter der Kranken in diesen seinen rühmlichen Erfindungen, und Häberl wurde zur Dankbarkeit von seinem Fürsten Karl Theodor am 26. April 1797 zum wirklichen Medizinalrathe ernannt. Mehrere höchste Personen besuchten die von ihm zwekmässig eingerichteten Krankenanstalten. Selbst Napoleon beschenkte dieselben mit 12,000 Livres.

Häberls Erfahrungen wurden bald in Europa bekannter und selbst von Monarchen mit Auszeichnung aufgenommen, und so wurde denn der tüchtige Arzt am 22. April 1802 ordentliches Mitglied der bayerischen Akademie der Wissenschaften. Seine Luftverberbesserungsanstalten wanderten von einer Anstalt in die andere. Bald gab er den öffentlichen Wunsch zu erkennen, es möchte ein neues und zwekmässigeres Krankenhaus gebaut werden. Viele Gegner traten gegen ihn auf; aber der Wunsch darnach charakterisiere sich dadurch nur um so lauter.

1808 im Mai wurde Häberl von seinem Könige mit dem Verdienstorden der bayerischen Krone geziert. Der Plan eines allgemeinen Krankenhauses in der Hauptstadt trat ihm von nun an deutlicher und lebhafter vor die Seele und König Max unterstüzte den edlen Menschenfreund mit thätiger Beihilfe. So wurde unter Franz Xaver Häberl's Leitung jene Anstalt, welche zahllosen Kranken wohsthätige Heilung oder sonst gastliche Aufnahme gewährt hat. 1813 entstand jene höchst wichtige Anstalt und bis zum Jahre 1824 wirkte der von seinem Könige zum Obermedizinalrathe und Direktor des allgemeinen Krankenhauses ernannte Häberl mit rastloser Thätigkeit. Was er insbesondere der Menschheit Gutes geleistet, welche vortreffliche Humanität er als Mensch während seiner langen praktischen Laufbahn bewiesen hat, das schilderte die Rede des Hrn. Medizinalrathes Dr. Graf, die er zu Ehren des Jubelgreises heute hielt.

Um den hochverdienten Jubelgreis gebührend und dankbar zu ehren, haben die Coriphäen der bayerischen Aerzte in München eine besondere Feierlichkeit angeordnet. Morgens kam eine Deputation, bestehend ans Hrn. Dr. und geheimen Rathe von Wenzl, dem Odermedizinalrathe Hrn. Dr. Ringseis, dem Obermedizinalrathe und Direkt. des allgemeinen Krankenhauses Dr. v. Loe, dem Medizinalrathe und Leibarzte Ihrer Majestät der verwittibten Königin Dr. Graf, dem Professor Dr. Schneider und dem praktischen Arzte Dr. Schlagintweit zu dem verehrten Jubelgreise und brachte im Namen der bayerischen Aerzte den herrlichsten Glükwunsch zum hohen Feste dar und luden ihn zum festlichen Diner auf Nachmittag ein. Später kamen der Dekan der medizinischen Fakultät an der hiesigen Hochschule Hr. Dr. Hofrath und Professor Röschlaub und der Senior derselben Fakultät, Hofrath Dr. Döllinger und überreichten ihm in Amtkleidung das Doktor-Diplom der Ludwig-Maximilians-Universität. Sodann erschien eine Deputation des hiesigen Magistrats und überreichte dem gefeierten Jubelgreise ein Glükwunschschreiben und eine goldene Dose. Endlich wurde der Mann des Festes vom Hrn. geheimen Rathe und Leibarzte Sr. Majestät des Königs Dr. v. Wenzl und vom Hrn. Obermedizinalrathe Dr. Ringseis zum Diner im festlich geschmükten Saale bei Havard abgeholt. Bei demselben hielt der obengenannte Medizinalrath Hr. Dr. Graf eine feierliche lateinische Rede und dem Jubelgreise wurde die Zeichnung jener Münze überreicht, welche bayer. Aerzte zu Ehren des Festes in Augsburg von dem berühmten Hrn. Graveur Neis prägen ließen. Auf einer Seite genannter Denkmünze ist v. Häberls Bildniß mit der Umschrift:

»Fr. X. ab Haeberl medicus per X. lustra optime meritus.
Monachii XVI. Febr. MDCCCXXXIV.«

Auf der andern Seite sieht man die Facade des allgemeinen Krankenhauses in München und die Umschrift:

»Ipso medens aegris aedes struit arte medendis.
Collegarum pietas.«

Wir schließen mit dem aufrichtigen Wunsche des Herrn Dr. Graf:

»Der ewige Gott möge mit angenehmen Schuze sein Leben schirmen und uns und den Seinigen den verdienten Jubelgreis froh und lange noch erhalten.«

Bayerische National Zeitung für Gebildete aller Stände Nro. 47 & Nro. 48. Sonntag, den 16. Februar 1834 & Montag, den 17. Februar 1834.

 

 

 

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