Kein Grab ist stumm

 

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Das große Conversations-Lexicon für die gebildeten Stände (1853)

Beisler, Hermann, Ritter von, bayer. Staatsrath und Präsident des obersten Rechnungshofs, vormals Minister des Kultus und des Innern, Sohn eines kurmainzischen Beamten, wurde 1790 zu Bensheim an der Bergstraße geboren. Er trat 1807 als Lieutenant in die bayer. Armee, wohnte den Feldzügen in Tyrol bei, nahm aber dann aus Familienrücksichten den Abschied und widmete sich, nach vollendeten Universitätsstudien, dem Civilstaatsdienst.

Er war Generalsekretär im Justizministerium des Großherzogthums Frankfurt, bei dessen Organisation er mitgewirkt hatte, als das Jahr 1813 ihn unter die Fahnen rief. Als Hauptmann und Adjutant trug er viel zur Herstellung des spessarter Landwehrbataillons bei, das dem im französischen Süden operirenden Corps des Prinzen von Hessen-Homburg eingereiht ward.

Nach dem ersten pariser Frieden ging B. mit dem Fürstenthum Aschaffenburg an Bayern über und erhielt bei der damaligen Hofkommission zu Aschaffenburg eine Stelle als Civilbeamter. Im Jahr 1815 griff er jedoch abermals zu den Waffen und wohnte dem Feldzuge als Hauptmann in einem der bayer. Legionsbataillone bei. Nach dem Frieden blieb er im Militärdienst, arbeitete aber, um dem Garnisonleben zu entgehen, mehrere Jahre als Volontär im auswärtigen Ministerium zu München, dann bei der bayer. Bundestagsgesandtschaft. Da ihm letztere Stellung nicht behagte, wandte er sich wieder dem Civildienste zu und fungirte als Regierungsrath in Ansbach, Passau, Augsburg und Regensburg. In letztern Orte war er auch Vorstand der Aktiengesellschaft, welche die bayer. Donauschifffahrt begründete und trat an die Spitze des dortigen Polenkomité's, des ersten in Deutschland.

Trotz der Ungunst, die ihm seine liberale Gesinnung in den höheren Regionen bewirkte, ernannte man ihn doch zum Regierungsdirektor von Oberbayern in München u. 1838 zum Regierungspräsidenten in Niederbayern. Als solcher gerieth er in Konflikt mit dem Bischof Hochstetten in Passau und dem Minister Abel, indem er, wiewohl selbst Katholik, die verfassungsmäßigen kirchlichen Rechte der Protestanten mit Entschiedenheit vertrat. Während dieser Streitigkeiten ward er zum Präsidenten des obersten Rechnungshofes ernannt, welche Beförderung ihn freilich von der innern Verwaltung gänzlich isolirte.

Nach den Sturz des Ministeriums Abel 1847 wurde B. Staatsrath und Justizminister, nach Entlassung Wallersteins Kultus- und Unterrichtsminister. Letztere Stellung übernahm er im März 1848 mit dem Eintritt Thon-Dittmars, Lerchenfelds und Heintz definitiv. Er betheiligte sich nun an der Reihe der Gesetzreformen, welche auch in Bayern in Folge der deutschen Märzbewegung begannen. Von einem bayer. Wahlkreise in die deutsche Nationalversammlung erwählt, nahm er seinen Sitz auf der Rechten, stimmte gegen die Aufhebung des Bundestags und war unter den Ersten, welche der Versammlung die Befugniß der Aufstellung einer endgültigen Gesammtverfassung ohne Vereinbarung mit Partikularregierungen, sowie die Errichtung eines Kaiserthums mit Ausschließung Oesterreichs, absprachen. In einer Rede, die er in der Kirchenfrage hielt, verlangte er für die Kirche eine repräsentative Verfassung mit Theilhabe der Laien am Kirchenregiment. B. wurde wegen dieser Kundgebung des Portefeuilles enthoben und wieder zum Staatsrath und Präsidenten des obersten Rechnungshofes ernannt. Doch übernahm er am 3l. Dcbr. 1848, obwohl ungern und mit Vorbehalt seiner bisherigen Stellung, das Ministerium des Innern, legte aber, als die bayer. Kammer in ihrer Adresse die unmittelbare Einführung der deutschen Grundrechte verlangte, während B. deren Geltung von der Zustimmung der gesetzgebenden Gewalten Bayerns abhängig machen wollte, schon am 5. März 1849 mit seinen Kollegen Heintz und Weigand sein Portefeuille nieder und kehrte auf seinen Posten zurück. Er veröffentlichte »Betrachtungen über Staatsverfassung und Kriegswesen« usw. (Frankfurt 1822) und »Betrachtungen über Gemeindeverfassung« (Augsburg 1831), welche Schriften ihm ihrer Freimüthigkeit wegen mancherlei Anfeindungen zuzogen. Seine Gattin, die er 1849 durch den Tod verlor, gehörte der Famille des berühmten Jesuiten Canisius an.

Das große Conversations-Lexicon für die gebildeten Stände. Hildburghausen, 1853.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.