Kein Grab ist stumm

 

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Biographieen der in dem Kriege gegen Frankreich gefallenen Offiziere der Bayerischen Armee (1871)

Oberlieutenant Friedrich Wanner, wurde geboren am 22. Januar 1845 zu München. Früh hervortretende Neigung bestimmte ihn für den Soldatenstand. Nachdem er die Lateinschule besucht hatte, trat er im Oktober 1857 in das Cadeten-Corps, aus welchem er nach vollendeten Studien am 25. August 1863 als Junker in das 3. Artillerie-Regiment versetzt wurde. Ms er drei Jahre in der Artillerie-Schule zugebracht hatte, erfolgte am 3. April 1866 seine Beförderung zum Lieutenant. Er zog in dieser Charge 1866 in’s Feld. Den 12. Januar 1869 kam er in das 1. Artillerie-Regiment und avancirte gleichzeitig zum Oberlieutenant.

Im Juli 1870 wurde Wanner zum Adjutanten der Artillerie-Direktion Ingolstadt ernannt, und war durch diese Stellung von dem unmittelbaren Schauplatze der Ereignisse vorerst ferngehalten. Am 23. August wurde er durch die Geburt eines Sohnes hocherfreut, kurze Zeit darauf nahm er seinen bei Sedan verwundeten jüngeren Bruder bei sich auf, um ihm die sorgfältigste Pflege angedeihen zu lasten. Endlich erhielt er den willkommenen Befehl, sich zum Abmarsche bereit zu hatten. Schmerzerfüllt, doch begeistert, schied er am 12. Dezember von Weib und Kind, von Vater und Bruder, um nicht wiederzukehren. Unter großen Mühseligkeiten gelangte Wanner mit seiner Batterie am 18. Dezember nach dem Standquartier Brebette, gegenüber von Belfort. Am 24. Dezember, dem Weihnachtsabend, wurde unter unsäglichen Anstrengungen und bei eisigem Nordostwind zum Batteriebau geschritten, der vielfach durch feindliches Feuer behelligt war. Am Christtage stand die Batterie nebst zwei dazu ausgegrabenen und hierauf eingedeckten Magazinen und zwei Unterständen für die Mannschaft zum Feuern bereit. Ungeachtet der grimmigen Kälte und des hieraus zeitweise hindernd eintretenden Schneefalls wurde das Feuer an den nächsten Tagen mit gutem Erfolge, jedoch bei lebhafter Erwiederung durch die gegnerischen Geschütze fortgesetzt. Ueber die traurige Katastrophe, die den Tod Wanners herbeiführte, berichtet Hauptmann von Sutner also: »Fritz und ich standen am 27. seit 7 Uhr Morgens in der Batterie. Das feindliche Feuer war bis Mittag mäßig und ohne Erfolg. Von halb 2 Uhr an jedoch wurden wir buchstäblich mit Granaten aus 10-12 feindlichen Geschützen überschüttet. Um 3 Uhr 30 Minuten schlug eine Granate durch die Decke des Pulvermagazins, an welches Fritz, um bester beobachten zu können, sich angelehnt hatte. Das Magazin ging in die Luft und Fritz mit noch 4 Kanonieren wurde furchtbar verstümmelt und eine kleine Strecke weit geschleudert, doch fehlten Ersterem keine Gliedmaßen.«

Am 4. Januar Nachts 11 Uhr kam auf Ansuchen des Vaters der Bediente des Oberlieutenants Wanner mit der Leiche, dem Pferd und Gepäck seines Herrn in München an. Die sterblichen Ueberreste des Dahingeschiedenen wurden in heimathlicher Erde mit allen militairischen Ehren und unter allgemeinster Theilnahme zur Ruhe bestattet.

Wanners unverdrossener Fleiß, sein Talent, sowie seine Tüchtigkeit als Artillerie-Offizier machten ihn in seiner Waffe zu einem allgemein geachteten und beliebten Offizier.

Biographieen der in dem Kriege gegen Frankreich gefallenen Offiziere der Bayerischen Armee. Nürnberg, 1871.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.