Kein Grab ist stumm

 

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Neues Universal-Lexikon der Tonkunst (1861)

Strunz, Joseph, geb. zu Pappenheim in Baiern im J. 1783, erhielt Musikunterricht hei den Kapellmeistern Metzger und Winter zu München und wurde schon mit 14 Jahren in der Hofkapelle ebengenannter Stadt angestellt.

Nach nicht langer Zeit aber mußte er einer Jugendthorheit wegen München verlassen und durchzog nun Konzerte gebend Deutschland, Holland und England. Im J. 1800 kam er auch nach Frankreich, nahm eine Stelle als Musikmeister bei einem Regimente an und machte mit diesem den italienischen Feldzug mit, der durch die Schlacht von Marengo beendet wurde.

Nach dem Frieden garnisonirte sein Regiment in Antwerpen; ein grober Subordinationsfehler verwickelte ihn hier in arge Verlegenheiten, hatte auch seinen Abschied zur Folge; er blieb aber in Antwerpen, gab Musikunterricht und komponirte (Instrumentalstücke, eine Messe und eine komische Oper »Bouffarelli, ou le Prévôt de Milan«, die auch in Brüssel gegeben wurde).

Im J. 1807 ging er nach Paris, gab hier wiederum Stunden, komponirte (viele Instrumentalstücke und eine Oper »Les Courses de Newmarket«, welche aber durchfiel), und nahm dann endlich 1823, da es ihm nicht gelungen war, durch die Musik sich eine ordentliche Position zu verschaffen, während des spanischen Krieges eine Stelle als »Inspecteur des substances militaires« in der französischen Armee an. Nach Beendigung des erwähnten Krieges blieb er zuerst längere Zeit in Barcellona, durchreiste darauf Spanien, Griechenland, einen Theil Asiens und Afrika's, und kehrte endlich 1831 wieder nach Paris zurück. Hier suchte er in der Musik wieder die Mittel zu seiner Subsistenz, war für verschiedene Musikalienhändler mit Arrangements beschäftigt, und schrieb auch 1834 für das Théâtre Nautique die Musik zu einigen Ballets. Das genannte Theater aber prosperirte nicht sehr, und der Unternehmer desselben dachte durch eine deutsche Operngesellschaft seinen Umständen etwas aufzuhelfen; er schickte deshalb St. behufs des Engagirens von Sängern und Sängerinnen nach Deutschland. Unterwegs jedoch erfuhr dieser die Schließung des Théâtre Nautique, und kehrte somit nach Paris zurück, wo er nun die Stelle als Chef du boreau de copie an der Opéra-comique annahm.

Diese vertauschte er mit der eines Musikdirektors an dem neugegründeten Théâtre de la Rénaissance und schrieb für dieses auch die Musik zu Victor Hugo's »Ruy Blas«; leider aber mußte er bald auch dieses Theaters Sturz erleben, worauf er dann wieder in seine frühere Stelle an der Opéra-comique eintrat, welche er in den ersten 40er Jahren noch inne hatte.

Von seinen Talent bekundenden Kompositionen sind Streichquartette, Konzerte für Flöte und Horn, Quintette für Blasinstrumente, französische Romanzen u. s. w. im Druck erschienen.

Eduard Bernsdorf: Neues Universal-Lexikon der Tonkunst. Offenbach, 1861.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.