Kein Grab ist stumm

 

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Andenken an Joseph Ritter von Stürzer (1837)

Wohl war es ein trefflicher Mensch und ein höchst verdienstvoller Staatsmann, dessen Tod am 18. Sept. d. J. zu München plötzlich erfolgte. Mögen seine Freunde, seine zahlreichen Verehrer, besonders seine vielen dankbaren Zuhörer, und seine würdigen Hinterbliebenen in der gegenwärtigen kurzen Darstellung seiner wichtigsten Lebensverhältnisse, das Bestreben nicht mißkennen, die Grundzüge eines Ehrendenkmals zu liefern, dessen Ausführung einer geschickteren Feder überlassen bleibt.

Joseph von Stürzer, der Sohn eines Lebzelters (Lebküchners) zu Hemau im ehemaligen Fürstenthum Neuburg, wurde daselbst am 18. August 1776 geboren. Er machte seine Schul- und Gymnasialstudien zu Regensburg, und wurde, dem geistlichen Stande bestimmt, Singknabe in der Benediktinerabtei Prifling an der Donau, kam dann auf die hohe Schule nach Ingolstadt, und zwar in das Georgianische Seminarium. Er verließ jedoch dieses und das theologische Studium und wandte sich zur Jurisprudenz, wofür ihn sein unermüdeter Fleiß, seine Bemühung, im Wissen immer fortzuschreiten, und sein heller Blick, seine treffliche praktische Beurtheilungsgabe, das sogenannte judicium practicum ganz vorzüglich qualifizirten. So vollendete er nun in seinem 22. Jahre die juridischen Studien und nahm dreimonatliche Praxis bei dem kurbayerischen Landgericht Stadtamhof, dessen Vorstände damals auch die Weichsische Hofmarkts-Administration und die oberpfälzischen Richter-, Kasten- und Forstämter Salern und Zeitlarn unter sich hatten. Es ist für diese Beamten selbst ein rühmliches Zeugniß, und ein Beweis der Sorgfalt, die man damals auf Bildung der Praktikanten verwendete, daß in dem von ihnen im Aug. 1799 ausgestellten Zeugniß unter andern vorkommt: »der I. U. L. Stürzer habe nicht nur den Amtsverrichtungen sehr aufmerksam beigewohnt, sondern auch auf die an ihn gestellte Fragen eine außerordentliche Fähigkeit und vorzüglich gutes Judicium in der Beurtheilung der verhandelten Rechtsgegenstände, auch in Lesung der Gerichtsacten und Protokolle einen ausnehmenden Fleiß gezeigt, dann verschiedene schriftliche Aufsätze zur vollkommensten Zufriedenheit verfaßt.«

Er fand daher baldige Anstellung unter der neuen Regierung. Ein Dekret der kurfürstl. Universitätscuratel d. d. München den 5. Dez. 1799 ertheilte ihm die Erlaubniß als Privatdocent Vorlesungen zu halten, wofür ihm zwar kein Gehalt zugesichert, wohl aber zu erkennen gegeben wurde, er werde des in seine Kenntnisse und seinen Vervollkommnungs-Eifer gesetzten Zutrauens sich würdig bezeugen, und wobei zugleich die Universität den Auftrag erhielt, ihm den Doctorgrad frei zu ertheilen. Ein weiteres Dekret vom 5. Mai 1800 übertrug ihm in Folge höchsteigenhändigen Placets des Kurfürsten, die Repetitor-Stelle der albertinischen Stipendiaten mit dem damit verbundenen Gehalt. Im folgenden Jahre erschien sein erster schriftstellerischer, und zwar politisch juridischer Versuch: Ueber die Rücksichten, die ein Gesetzgeber bei Verfassung eines neuen Strafcodex zu nehmen hat. Ein höchstes Dekret vom 29. Okt. 1802 ernannte ihn zum außerordentlichen Professor, und er eröffnete am 7. Dez. desselben Jahres seine erste öffentliche Vorlesung mit einer Rede, welche er 1803 in der Gestalt einer förmlichen Abhandlung über den Zustand des Criminal-Wesens in Deutschland am Anfange des 19. Jahrhunderts herausgab. Beide Schriften sind mit vielem Beifall aufgenommen worden.

Inzwischen hatte Bayern die Provinz Bamberg erworben, und ein kurf. Dekret vom 6. Febr. 1804 ernannte ihn zum dortigen Hofgerichtsrath. Er zeichnete sich dort, nach dem Inhalt eines ihm gegebenen Präsidialzeugnisses, und nach dem Wissen noch lebender Collegen, »durch Geschicklichkeit und rastlose Thätigkeit, durch die einem Geschäftsmann so nöthige Verträglichkeit und durch den humansten Charakter aus; leistete auch im administrativen Fach, als Mitglied der städtischen Einquartierungscommission 1806, außerordentliche, wohl anerkannte Dienste und wurde schon am 24. April 1807 zum Rath der dortigen obersten Justizstelle ernannt. Als gegen Ende des nächsten Jahres die drei obersten Justizstellen von Bayern, Schwaben und Franken in dem Oberappellationsgericht zu München ihre Vereinigung fanden, erhielt er durch Rescript vom 29. Sept. 1808 daselbst die 28. Stelle. Das ganz besonders in ihn gesetzte Vertrauen bewährte sich bei Konstituirung der zu Prüfung des Entwurfs des revidirten Judiciarcodex aus 6 Oberappellationsräthen und dem Direktor van der Beken unter dem Vorsitz eines Präsidenten gebildeten Commission. Ein Rescript vom 20. Nov. 1812 benannte ihn zum Mitglied derselben. Nach den Territorialveränderungen 1816 würde er bereits in die 15. Stelle des Oberappellationsgerichts vorgerückt seyn, hätte nicht der Wunsch eines andern nach dem abgetretenen Tyrol bestimmten verdienten Rathes, in Bayern zu bleiben, dessen Wiederaufnahme in das höchste Tribunal nöthig gemacht. Deshalb bekam Stürzer nur die 16. Stelle, wohl aber zum Beweise des Anerkenntnisses seiner Verdienste die höhere mit der 15. Stelle verbunden gewesene Besoldung, was sogar nur dadurch erwirkt werden konnte, daß eine Assessorstelle bei dem Stadtgerichte Erlangen einstweilen unbesetzt blieb. Am 28. April 1817 wurde ihm das schwierige Referat über die Abfassung der Jahresberichte, die Strafrechtspflege betreffend, und 1819 die Visitation des Appellationsgerichts für den Oberdonaukreis übertragen, welches mühevolle und sehr verwickelte Geschäft er zur vollkommenen Zufriedenheit der committenten Stelle (nach einem Belobungsdekret vom 22. Okt. gen. J.) vollzog.

Neue Verdienste sich zu erwerben, gab ihm die allerhöchst augeordnete Revision der Civilgerichts-Ordnung nach v. Gönners Entwurf von 1815 Gelegenheit. Ein Rescript vom 6. April 1821 bestimmte ihn primo loco, dann den Appellations-Rath Allweyer, nachherigen Kreis- und jetzigen Appellationsgerichts-Direktor, den Grafen August von Rechberg, jetzigen Generalkommissär und den als Schriftsteller bekannten Landrichter Puchta in Erlangen zu Mitgliedern der desfallsigen Kommission. Die veränderten Dienstverhältnisse des zweiten und dritten, und die allerhöchste Absicht, das Geschäft zu erleichtern, veranlaßte eine andere Zusammensetzung jener Kommission, die nunmehr, nach Rescript vom 25. März 1823, aus dem Ministerialrath, jetzigen Präsidenten v. Schmidtlein, unserm Stürzer, dem Kreis-Ger.-Direktor, nachherigen General-Staats.-Prokurator und zuletzt Appellationsgerichts-Präsidenten Frhrn. v. Völderndorf, dem Landrichter Häcker (jetzt Ministerialrath), Puchta und v. Menz (jetzt Polizei-Direktor), dann dem Advokaten Dr. Miller bestand.

Am 7. Mai 1825 empfing v. Stürzer aus den Händen des verewigten Justizministers Frhrn. v. Zentner das Ritterkreuz des Civilverdienstordens der bayerischen Krone, welches ihm König Max in Anerkennung seiner auch bei diesem neuen hochwichtigen Geschäfte erworbenen Verdienste am 29. April dess. J. verliehen hatte. Seine Bescheidenheit erlaubte ihm jedoch nicht, die dadurch erworbene Ritterwürde durch Immatrikulation förmlich zu erwerben; er begnügte sich blos, seinen Unterschriften das Adelsprädikat beizusetzen, und nicht einmal eine sogenannte Ausschreibung des Ordens ist in den Regierungsblättern zu finden, jedoch führt das neueste Staatshandbuch ihn unter den Rittern des Civilverdienstordens auf.

Schon das nächste Jahr eröffnete dem jetzt zu früh Entschlafenen einen neuen, ausgezeichneten Wirkungskreis; denn die allerhöchste Verordnung vom 3. Okt. 1826 benannte unter den inländischen Gelehrten, welche den von König Ludwig erhaltenen Aufforderungen gemäß, Vorlesungen über einzelne wissenschaftliche Zweige an der Universität eröffnen würden, gleich nach dem berühmten v. Gönner - für Prozeß und Praktikum auch den Ober-Appellationsgerichts-Rath Dr. Joseph von Stürzer.

Wie in seinem ganzen Leben unermüdeter Fleiß und reife Intelligenz den trefflichen Mann ausgezeichnet und überall Vertrauen ihn begleitet hatte, so geschah dieses auch in seinem akademischen Wirken, und zwar in dem neuen, wie in dem ersten. Von diesem letztern aus frühester Zeit ist hier noch ein Beweis, zugleich das früher Bemerkte ergänzend. Den Elementarunterricht im Latein und in der Musik erhielt er von einem noch lebenden Geistlichen, damals in der zu Hemau (6 Stunden von Regensburg) befindlichen Benediktiner Probstei des Klosters Prifling. Ende Oktober 1785 kam er in das Seminar nach Kloster Prifling, wo er zwei Jahre lang Singknabe war, den Unterricht in der Musik und in den sogenannten Principien fortgenoß, und unter seinen Mitschülern schon im zweiten Jahre den ersten Platz behauptete. Hierauf wurde er zu Allerheiligen 1787 Chorpräbendist im Dom zu Regensburg, blieb dort bis zu Vollendung seiner Gymnasial-Studien unter der Leitung der Jesuiten, und behielt auch hier unter seinen zahlreichen Mitschülern immer den ersten Platz.

Die Philosophie absolvirte er gleichfalls in Regensburg 1793 und 1794, und studirte 1795 und 1796 auf dem dortigen Lyceum auch die Theologie, immer ausgezeichnet im Fortgang, im Fleiß und in der Moralität. Nun wurde er in das Georgianum, oder Bartolomäer-Institut zu Ingolstadt aufgenommen, wo er, besonders in der Absicht, sich zum geistlichen Lehrer des kanonischen Rechts zu bilden, ausser den wichtigsten, theologischen Collegien, auch alle juristischen besuchte und Licentiat der Rechte wurde. Dadurch erklärt sich, wie er, als er dem geistlichen Stande entsagte, so schnell zur juristischen Praxis übergehen und, nachdem er auf kurze Zeit dem Ruf als Informator eines jungen Grafen von Töring nach München gefolgt war, schon im Dezember 1799 Anstellung als Privatdocent der Rechte für die albertinischen Stipendiaten erhalten konnte. Diese Anstellung ging der Translocation der Universität von Ingolstadt nach Landshut voraus, und als diese im Mai 1800 erfolgte, ward ihm der ehrenvolle Auftrag, den ganzen Transport des akademischen Mobiliar-Vermögens und die wissenschaftlichen Schätze dorthin zu leiten.

Sein Lehrfach als ausserordentlicher Professor der Rechte in Landshut waren Institutionen, Pandekten und peinliches Recht. Man beabsichtigte, den damals durch Schriften noch wenig bekannten, erst später durch sein System des Pandekten-Rechts so berühmt gewordenen Professor Thibaut von Jena nach Landshut zu berufen. Stürzer befürchtete wenigstens von der Neuheit des Docenten Nachtheil für seine ohnehin nur kümmerliche Honorarien-Einnahme, und sollicitirte deshalb um eine ordentliche Professur oder um Civilanstellung. Letztere wurde ihm, wie wir gehört haben, mit Auszeichnung. Seine Vorliebe für das academische Fach aber bewies sich wieder bei Errichtung der Universität zu München. Denn es war ihm 1827 eine Apellationsgerichtsdirectors-Stelle in Landshut bestimmt; er entsagte ihr, um in München bleiben zu können und diese Entsagung begründete dann Bezug einer ihm am 26. April 1827 allerhöchst ausgesprochenen akademischen Functions-Remuneration.

Das glückliche Amalgam theoretischer und praktischer umfassender Bildung, die Mannigfaltigkeit dieser Praxis in den Gerichten, und bei höchster Stelle, gaben seinen Vorträgen ein ausgezeichnetes Interesse, und wie er aus seinem ersten academischen Wirken theoretische Schätze in das höhere Richteramt mit hinübernahm, so lieferte ihm wieder die reiche Erfahrung in diesem die köstlichsten Materialien für die Bildung künftiger Staatsdiener. Weit entfernt, seinen Zuhörern das Nachschreiben dictirter Sätze zuzumuthen, entwickelte er freien Vortrag, folgte aber in diesem größtentheils einem höchst sorgfältig und zum Theil sogar wörtlich ausgearbeiteten eigenen Heft, in dessen jährlicher Ergänzung und Verbesserung er mit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit den Fortschritten der Literatur und der Gesetzgebung treu nachging. Er erkannte, wie wichtig es bei dem Lehr-Vortrage eines praktischen Theils der Jurisprudenz sey, die dafür bestehende Gesetzgebung zur Hauptrichtschnur zu nehmen, und den Lernenden anzudeuten, wo sie sichere Quellen weiterer Forschung finden, da der Studierende auf der Universität nur dann einen immerfort nützlichen und festen Grund legt, wenn er lernt, wie er sein ganzes künftiges Leben hindurch sein Wissen ergänzen und vervollkommnen soll. Den bayerschen Civilproceß trug er nach der Ordnung des Codex judiciarius von 1753 mit Benützung aller Novellen vor, führte bei jedem §. dieses Gesetzes die treffenden Stellen - in den ersten Jahren aus Bayer’s Vorträgen und v. Wendt’s Handbuch, in den spätern aber größtentheils nur aus diesem an, weil in dessen zweiter Ausgabe schon überall die Citate aus den trefflichen Bayer’schen Vorträgen enthalten sind; - in neuester Zeit auch aus Seuffert's interessantem Commentar. Ueberall, wo irgend möglich, belegte er seine Sätze mit Beispielen, wirklichen Fällen und wichtigen Präjudicien, und am reichhaltigsten war in dem letzten Wintersemester die vorbereitende Rücksichtsnahme auf das jetzt den Ständen vorgelegte neue Proceßgesetz. So fanden denn seine Vorlesungen gleich anfänglich, und dann immerwährend sehr zahlreichen Besuch nicht blos von Studirenden, sondern auch von schon Angestellten aus dem Civil- und Militairstande und von gebildeten Bürgern.

Nicht weniger belehrend und unterhaltend waren seine Sommer-Vorträge in seinem Civilpracticum, die er jedoch wegen Geschäftsüberhäufung später auf ein Relatorium beschränkte. Seine Majestät der König hatte nemlich am 21. Okt. 1831 durch Handbillet befohlen, ihn zu den Sitzungen der Gesetzgebungs-Commission zuzuziehen, und durch allerhöchstes Rescript vom 27. Januar 1832 ihm die Stelle eines zweiten Ministerial-Raths bei dem Staatsministerium der Justiz ertheilt. Er machte jetzt, wie er selbst bei Wiedereröffnung des Relatoriums äusserte, im Sommer-Semester 1832 die Erfahrung, daß das Halten dieser Vorlesungen bei seiner großen Belastung mit ministeriellen Berufs-Arbeiten ihn viel zu sehr anstrenge, daß insbesondere das Corrigiren der practischen Arbeiten seiner Zuhörer einen zu großen Zeitaufwand in Anspruch nehme. Daher las er im nächsten Sommer-Semester 1833 nicht mehr Civilpracticum, welches Hofrath Dr. Bayer übernahm, sondern blos Relatorium, im Sommersemester 1834 wegen des Landtags gar nicht, in den Sommer-Semestern 1835 und 1836 aber wieder Relatorium.

Die Landtage von 1834 und 1837 liefern reiche Beispiele von Stürzer’s überall zweckmäßigem und erfolgreichem Wirken, und ebenso mannigfache Beweise allgemeiner Anerkennung seiner Verdienste und seines edlen Charakters. Unvergeßlich wird jedem damals theilnehmenden Anwesenden seyn - was in den Landtags-Protocollen, wahrscheinlich auf Stürzer’s eigene, aus Bescheidenheit hervorgegangene Veranlassung, nicht speciell vorkommt, und in keinem Fall so hätte aufgenommen werden können, wie es das lebende Wort aussprach, - die Wärme, mit welcher der ehrwürdige Chef der Justiz, in der Reihe der Abgeordneten bei den Berathungen über die Proceßnovelle, »seinen lieben, braven Stürzer« wie er ihn öffentlich nannte, in Schutz nahm, als ein Antragsteller die kraftvolle und offene Aeusserung des Regierungs - Commissairs über den unverkennbaren, gemeinverständlichen Sinn einer von jenem angegriffenen Stelle des Gesetzentwurfes, als persönlichen Vorwurf mißdeutet hatte, und die Herzlichkeit, mit welcher der Justizminister erklärte, Stürzer sey unfähig, in solcher Art irgend Jemand persönlich kränken zu wollen. Unvergeßlich wird auch allen Anwesenden die Rührung bleiben, mit welcher nach Stürzer’s Tode dessen Name in der Ständeversammlung genannt und ihm ein höchst ehrenvoller, dankbarer Nachruf gewidmet wurde. - Für den Sachverständigen waren seine Vorträge und Erinnerungen bei den Berathungen über die Proceßnovelle, von wahrem Genuß. Ueberall Klarheit, Bestimmtheit, Scharfsinn und Popularität, allgemein-verständliche Deutlichkeit auch in den schwierigsten Materien. Auch wer seiner Ansicht, oder derjenigen, die er vielleicht manchmal gegen seine eigene individuelle Meinung als Vertheidiger der gesetzvorschlagenden Regierungs-Beschlüsse, geltend machen mußte, nicht beizustimmen vermochte, konnte doch das Gewicht und die Präcission der von ihm entwickelten Motive nicht verkennen.

Noch der letzte Tag seines, an segensvollem Wirken, reichen Lebens gab einen treffenden Beweis, wie wohlthätig für Andere er seine hohe Stellung zu nützen wußte. An jenem Tage (Sonntag den 17. Sept.) machte Stürzer es sich zum Geschäfte, einen würdigen Mann dem Justizminister empfehlend zu präsentiren, und mehreren ändern Sollicitanten, die er daselbst versammelt traf, unaufgefordert freundlich zu eröffnen, welche Hoffnung für ihre bevorstehende Beförderung vorhanden sey. So war auch eine der letzten Stunden seines irdischen Daseyns noch Bestätigung des liebevollen Charakters, den er zu allen Zeiten und in allen Verhältnissen bewies. Gleiches Zeugniß gibt der Inhalt seines Testaments, was er zur Zeit der Cholera im vorigen Jahre gerichtlich deponirte. Er war ehelos geblieben, obgleich er erst die niedere Weihe empfangen hatte. Er blieb es theils aus Liebe für seine nächsten Verwandten, theils weil er nach dem Verluste seiner ersten Geliebten, die in Ingolstadt während einer häuslichen Arbeit auf dem Altan ihrer Wohnung vom Blitze getroffen wurde, keine andere Verbindung eingehen wollte. Seine Schwester, als Wittwe, nahm er zu sich. Der schnelle Tod einer geliebten Enkelin derselben vor vier Jahren, hatte vor zwei Jahren auch das Ableben der erstern zur wahrscheinlichen Folge; und Stürzer’s Gesundheit litt seit einem Jahre durch eine starke Beschädigung am Fuß, durch einen Fall auf einer Treppe im Ministerium des Innern, wohin er sich auch nur in der wohlthätigen Absicht begeben hatte, für einen seiner Pathen ein Stipendium zu sollicitiren. Kein Wunder, wenn unter solchen Verhältnissen, ein Jugendgefährte des Verblichenen, ein würdiger Mann, dessen gefälligen Mittheilungen diese Skizze manchen Beitrag verdankt, - obgleich selbst liebreichsorgender Familienvater, diesen Mittheilungen die Worte beifügte: »O! hätte doch Gott mich Statt seiner abgefordert; er (Stürzer) hätte besser für meine Kinder gesorgt, als ich für sie zu sorgen im Stande bin? - Wie Viele würden von ihm noch Gutes genossen haben! - Sein Charakter war von Jugend auf gutmüthig und gefällig, er liebte seine Mitschüler vorzüglich, und blieb gegen sie immer gleich, ohne Veränderung bei seinem Emporsteigen zu höhern Würden. Seine Tendenz in seinem ganzen Lieben war nur dahin gerichtet, Jedermann auf rechtliche Weise glücklich zu machen. Wäre es in seiner Macht gelegen, er würde die Welt zu einem Eldorado umgeschaffen haben!«

Friede sey um diesen Grabstein her!
Sanfter Friede Gottes! Ach sie haben
Einen guten Mann begraben,
Und uns war er mehr!

Andenken an Joseph Ritter v. Stürzer. Bamberg, 1837.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.