Kein Grab ist stumm

 

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Neuer Nekrolog der Deutschen (1849)

Maria Elektrina Freifrau v. Freyberg, geb. Stunz, zu München; geb. im Jahr 1798, gest. d. 1. Jan. 1847.

Sie war zu Straßburg im Elsaß geboren, die Tochter des Landschaftsmalers Johann Stunz, der sich später zu München oder vielmehr in dessen Nähe ansiedelte, wo er ein Landgütchen sich erwarb, die jetzige verschönerte Villa Freyberg zu Thalkirchen.

Schon früher entwickelte sich bei ihr das Talent und die Liebe zur Kunst, der sie sich denn auch mit ganzer Seele widmete und in welcher ihr der Vater den ersten Unterricht ertheilte und sie zum thätigen Fortschritt ermunterte. Sie bildete ihre herrlichen Anlagen zuerst in München, dann auf Reisen in Frankreich und Italien aus, vorzüglich aber in dem mit Kunstwerken aller Art so reich begabten Rom, wo sie sich längere Zeit aufhielt.

Ihre Bilder, die sie mit wahrem poetischen Gefühl und mit zartem Pinsel voll Geist und Leben ausführte, fanden bald die verdiente Anerkennung und schon während ihres Aufenthaltes in Italien wurde sie zum Ehrenmitgliede der Akademie von St. Lucas ernannt.

Sie vermählte sich im J. 1821 mit Wilhelm Freiherrn v. Freyberg, königl. bayer. Kämmerer und Viceoberststallmeister, nachdem ihre gegenseitige treue Liebe die Hindernisse besiegt hatte, die ihnen durch Verwandte von beiden Seiten entgegengestellt worden waren. Sie wußte die zartesten Gefühle mit einer unbeschreiblichen Anmuth und Wahrheit darzustellen, daß in jedem Beschauer die Gefühle der reinsten Freude, der Andacht und Liebe erweckt werden. Wie zart und sinnig ist der Besuch der Frauen am Grabe des Heilandes geschildert, wie ihnen der am Grabe sitzende Engel die fröhliche, kaum glaubliche Botschaft verkündet und die eine der Frauen, deren aufgelöstes Haar die Eile ihrer Annäherung bezeichnet, mit dem Salbengefäße in den Händen, am Grabe in stiller Freude niedersinkt, während die beiden Anderen noch wie zweifelnd stehen. Dieses schöne Bild ist schon längst eine Zierde der leuchtenberg’schen Galerie und wurde von Strixner durch Steindruck vervielfältigt und dadurch allgemein verbreitet.

Wer nur einmal obenerwähnte Galerie besuchte, erinnert sich gewiß noch an die schöne Madonna (in halber Lebensgröße ausgeführt) von dieser liebenswürdigen Künstlerin.

Eben so anmuthvoll und edel sind noch viele andere Bilder von ihr, die alle einzeln aufzuführen und zu beschreiben, der Raum dieser Blätter nicht gestattet. Zu früh wurde sie ihrem schönen Wirken und ihrer sie so innig liebenden Familie durch den Tod entrissen.

Sie starb nach schwerem Leiden einer langwierigen Abzehrungskrankheit als gottergebene Dulderin und hinterließ ihrem Gemahle, der sie stets mit innigster Zärtlichkeit liebte, vier hoffnungsvolle Kinder, drei Söhne und eine Tochter.

Neuer Nekrolog der Deutschen für das Jahr 1847. Weimar, 1849.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.