Kein Grab ist stumm

 

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Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Blank Viktoria, geboren 1859 in München. Sofort nach dem Besuche der höheren Töchterschule, woselbst sie gute Stimmmittel zeigte, nahm sie, noch nicht ganz 15 Jahre alt, bei der Hofopernsängerin Louise Radecke Gesangsunterricht. Nach dreijährigem, fleißigem Studium trat sie 1878 ins Engagement als Altistin am Kölner Stadttheater. Dort entwickelten sich ihre künstlerischen Kräfte immer weiter und kaum war ein Jahr vergangen, erhielt sie bereits einen Ruf an das königliche Hoftheater in ihrer Vaterstadt, das in ihr ein wertvolles Mitglied erwarb.

B. verließ diese Kunststätte nicht mehr. Von ihren hervorragendsten Partien seien erwähnt: »Gräfin« in »Wildschütz«, »Rheintochter«, »Erda«, »Waltraute«, »Norne«, »Magdalena« in »Meistersinger«, »Frau Reich«, »Anna« in der »Zauberflöte«, »Nancy« etc. Felix Philippi, der ihre ersprießliche Tätigkeit in der »Münchner Oper« gebührend kennzeichnet, rühmt ihr edles voluminöses Organ von vornehmer Klangfarbe, ihre von ernsten Studien zeigende Gesangsbildung und ihr gutes Individualisierungstalent, und bemerkt ferner: »Sie besitzt eine sehr glückliche Erscheinung, ein ausdrucksvolles in der Bestimmtheit der Linien an die geniale Hedwig Kindermann mahnendes Profil; in ihrem ganzen Wesen tritt uns ein ausgeprägter, künstlerischer Charakter entgegen. Die Verkörperung hehrer Gestalten, wie des Gluckschen »Orpheus«, ist harmonisch im Geiste des Schöpfers gehalten; in der modernen Richtung deutscher, wie italienischer Musik hat sie uns manch freundliche Gabe gereicht. Viktoria Blank ist eine Künstlerin, welche ohne starke, erschütternde Wirkungen hervorzurufen, stets einen wohltuenden und ungemein sympathischen Eindruck hinterläßt. Ihr ernstes und schönes Streben, ihre anmutende von künstlerischer Gesinnung zeigende Bescheidenheit, haben ihr aufrichtige und ergebene Freunde gewonnen.«

Die haben sich im Laufe der Zeit stets vermehrt, ebenso, wie die Kunst der Sängerin immer wuchs und bedeutender wurde, so daß sie heute zu den Stützen der Münchner Hofoper zählt. 1900 wurde die Künstlerin für ihre Verdienste zur Königl. bayrischen Kammersängerin ernannt.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert; Verlagsbuchhandlung Paul List; Leipzig, 1903.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.