Kein Grab ist stumm

 

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Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Pellegrini Julius, geboren am 1. Januar 1806 in Mailand, wurde seiner hübschen Stimme wegen fürs Theater bestimmt und zur entsprechenden Ausbildung ins Konservatorium seiner Vaterstadt gesendet. Schon mit 14 Jahren konnte er völlig ausgebildet die Schule verlassen und seine treffliche Baßstimme praktisch verwerten. Er sang zuerst in Konzerten und betrat 1822 in Turin, und zwar mit großem Erfolge die Bühne. Nachdem er fast ein Jahr daselbst künstlerisch gewirkt hatte, ging er nach München zur italienischen Oper. Bei derselben wirkte er als ein geschätztes Mitglied bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1826. Er wollte nach Italien zurückkehren, allein die Beliebtheit, die er in München genoß, veranlaßte ihn zum Übertritt ans dortige Hoftheater (1826). Er verließ dasselbe erst nach 30jährigem, hervorragendem Wirken, um in den wohlverdienten Ruhestand zu treten. P. war eine Zierde des Münchner Hoftheaters. Sein »Tell«, »Stadinger« (»Waffenschmied«), »Jäger« (»Nachtlager«), »Pietro«(»Stumme von Portici«), »Bertram« und »Orovist« waren bedeutende Leistungen. Die letzterwähnte Partie sang er als erster Vertreter derselben in München. Seine Verehrer, die in ihm nicht nur den trefflich gebildeten Sänger, sondern auch den achtungswerten Darsteller schätzten, sahen ihn mit großer Betrübnis scheiden. Er verabschiedete sich vom Publikum am 20. August 1824 als »Bertram« und hat seit dieser Zeit die Bühne nicht mehr betreten. Außer in München hat P. seinen herrlichen Baß an keiner anderen deutschen Bühne ertönen lassen, wohl aber an italienischen Theatern, an denen er während deiner Urlaubszeit jedes Jahr gastierte. Rauschenden Erfolg erzielte er 1831 bei seinem Auftreten in London. In allen Ländern lobte man seine starke, kräftige Stimme von besonderer Biegsamkeit und seltenem Umfang. Auch seine schöne, imponierende Bühnenerscheinung fiel auf, wie nicht minder sein bei Sängern nicht oft vorkommendes Darstellungstalent. Kaum drei Jahre konnte sich der Künstler der wohlverdienten Ruhe erfreuen, denn er starb am 12. Juni 1858 in München, mit ihm einer der trefflichsten Gesangskünstler.

P. war verheiratet mit Clementine Pellegrini (seit 1824), geborene Moralt, diese war in München 1797 geboren, wurde daselbst ausgebildet und bereits 1817 als Hof- und Kammersängerin angestellt. Im Jahre 1820 wurde sie Mitglied der italienischen Oper und 1826 ging sie mit ihrem Mann zur deutschen Oper über. Bei derselben wirkte sie bis 1843. Sie war eine vortreffliche Kontra-Altistin mit schöner Stimme, gebildetem und gefühlvollem Vortrage. Ihre Erfolge auf der Bühne waren nicht unbedeutend, doch wurde sie noch mehr als Kirchen- und Konzertsängerin geschätzt. Die Künstlerin starb am 7. Juli 1845 in München.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert; Verlagsbuchhandlung Paul List; Leipzig, 1903.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.