Kein Grab ist stumm

 

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Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Seebach Elise, geb. am 17. April 1806 in München als Tochter des Musikmeisters beim Leibregiment. Sie hat von ihrem Vater das Verständnis für Musik geerbt und ein unwiderstehlicher Hang zur Kunst veranlaßte sie, die Bühnenkarriere zu ergreifen. Zuerst versuchte sie sich auf dem Liebhabertheater »Frohsinn«, wo sie eine Anzahl Rollen aus dem Fach der naiven Liebhaberinnen spielte. Dort sah sie einst (1821) Charlotte Birch-Pfeiffer, die sich des hochtalentierten Mädchens annahm, und ihr Unterricht erteilte.

Nach einjährigem Studium war die Kunstnovize bereits so weit, daß sie es wagen konnte, sich auf der Bühne zu versuchen und zwar erschien sie am 18. August 1822 als »Aphanasia« in »Graf Benjowsky« vor dem Münchner Hoftheater-Publikum. Allgemein wurde ihr Talent anerkannt, nur wünschte man, daß sie sich noch zur weiteren Ausbildung auf anderen Bühnen versuche, um ihr hierauf die Tore der Hofbühne öffnen zu können. In Begleitung der Birch-Pfeiffer begab sie sich nun auf Gastspielreisen, die sie während der Jahre 1823 und 1824 nach Kassel, Hannover, Hamburg und Berlin führten.

Nach München zurückgekehrt trat sie in die Reihen der Hofschauspieler und gehörten u. a. »Emilia Galotti«, »Louise« und »Melitta« zu ihren anerkanntesten Darbietungen. Auf Wunsch des Intendanten von Perfall ging sie jedoch frühzeitig ins ältere Fach über, zumal man für dasselbe keine des Instituts würdige Vertreterin finden konnte. Die Rolle der »Oberförsterin« in »Die Jäger« galt als eine geradezu unübertreffliche Leistung der Künstlerin. Auch kreierte sie bei der allerersten Aufführung von Goethes »Faust« in München (12. April 1830) die »Hexe«.

So wirkte S. mit frischer Kraft und glücklichem Humor bis 1872, in welchem Jahre sie am 18. August die Feier ihres 50jährigen Jubiläums als königl. bayer. Hofschauspielerin beging. Sie erschien in zwei ihrer Glanzrollen, in »Alte Schachtel« und »Des Nächsten Hausfrau« und erkannte in dem stürmischen Jubel die große Verehrung und Liebe, die sie beim Theaterpublikum genoß. Zum Ehrenmitglied des Hoftheaters ernannt, war sie mit seltener Frische bis zu ihrem Ableben tätig. Die Künstlerin, die sich während ihrer letzten Lebensjahre noch mit der Heranbildung junger Schauspielerinnen befaßte, wurde sogar vom Intendanten als Lehrerin bestellt um namentlich junge Sängerinnen als Darstellerinnen auszubilden. Sie starb am 3. Oktober 1878 in Tegernsee.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert; Verlagsbuchhandlung Paul List; Leipzig, 1903.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

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