Kein Grab ist stumm

 

Sektionen | Register | Suchen

 

<<< | >>>

 

 

 

Neue Münchener Zeitung (1862)

Danksagung.

In dem schweren Schlage, der mich durch den, wie der Sectionsbefund als unzweifelhaft herausstellt, lediglich und unvermeidlich in Folge einer schon im Frühjahre 1855 durch einen unglücklichen Fall erlittenen Gehirnerschütterung so unerwartet rasch eingetretenen Tod meines einzigen geliebten Kindes Albert getroffen, sind mir von so vielen Seiten, von nah und fern, Beweise der liebevollsten und werkthätigsten Theilnahme geworden, daß sie zu der Stärkung, welche mein Gottvertrauen und meine Ergebung in den Willen des Allerbarmers mir gewährten, eine reiche Quelle lindernden Trostes hinzufügten. Nie in meinem Leben wird das Andenken daran in mir erlöschen.

Ich erfülle nun eine heilige Pflicht, indem ich allen meinen verehrten Gönnern und lieben Freunden meinen tiefgefühltesten Dank dafür öffentlich ausspreche, da ich es unmöglich jedem Einzelnen gegenüber zu thun vermag.

Zu ganz besonders innigem Danke bin ich aber verpflichtet den hochwürdigen Herren P. P. Rector, Professoren und Präfecten des kgl. Erziehungs-Instituts für Studierende dahier für die so unaussprechliche als unermüdliche Liebe, Sorgfalt nnd Hingebung, mit welcher sie mein liebes Kind vom ersten Augenblicke seines Eintritts in das Institut bis zu seinem vorzeitigen Grabe in jeder Beziehung in wahrhaft väterlicher Weise gepflegt und geleitet haben. Möge ihnen das Bewußtsein, in der kurzen Zeit von drei Monaten ganz das Herz und die kindliche Liebe ihres Zöglings gewonnen, und meine unauslöschliche Dankbarkeit sich gesichert zu haben, einige Entschädigung bieten, und der Himmel ihnen im reichsten Maße vergelten, was ich zu thun nicht vermag. Glücklich die Eltern, die ihre Kinder solch bewährten Händen anvertraut wissen.

Schließlich auch noch den Ausdruck meines innigsten Dankes den sämmtlichen Zöglingen des kgl. Erziehungs-Instituts und Ludwigsgymnasiums, welche ihrem nun in Gott verklärten Mitschüler in ebenso erhebender als rührender Weise die letzte Ehre am Grabe und beim Trauergottesdienste erwiesen.

München, 8. Januar 1862.

Dr. Joseph Haller.

Neue Münchener Zeitung Nr. 8. Morgenblatt. Donnerstag, 9. Januar 1862.

 

 

 

<<< | >>>

 

Sektionen | Register | Suchen

 

ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.