Kein Grab ist stumm

 

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Münchener Politische Zeitung (1820)

Miszellen.

München, den 10. Dezbr. Vorgestern sind endlich nach einer vierjährigen Abwesenheit die beiden Mitglieder der hiesigen Akademie der Wissenschaften, die Hrn. Doktoren Spix und Martius, nach vielfach bestandenen Mühen und Gefahren von ihrer brasilianischen Reise wieder dahier eingetroffen. Sie brachten zwey junge Wilde, beyderley Geschlechtes, mit sich.

Nach Aussage dieser beyden Reisenden sollen die Kinderblattern in den von ihnen besuchten amerikanischen Gegenden die größten Verheerungen anrichten. Es konnte bis jetzt den Bemühungen der brasil. Regierung noch nicht gelingen, den Gebrauch der Kuhpocken daselbst einzuführen. Die Wilden, unter welchen die Hrn. Spix und Martius einige Monate lebten, haben eine so harte Haut, daß die Blattern gar nicht recht herausbrechen können, daher dann die Blattern-Feiuchtigkeit die innern Organe verstopft und die Unglücklichen, welche auf diese Weise zu Tausenden umkommen, erstickt.

Da wir die beyden Wilden, welche diese Herrn mitbrachten, noch nicht gesehen, so theilen wir unsern Lesern folgende Beschreibung derselben aus dem Journal de Paris vom 3. Dezbr. mit: Diese Wilden, heißt es daselbst, gehören ganz verschiedenartigen Völkerschaften an. Die des jungen Mädchens ist eine menschenfressende. Der junge Indier ist aus der Familie des Oberhauptes einer Horde, welche sich schon mehr den europäischen Besitzungen nähert. Beyde jungen Indier sind klein von Wuchs und kupferbraun; sie haben schwarze, rauhe, flatternde Haare; ihr ganzer Körperbau ist sehr materiel; ihre Gesichtszüge sind ohne Ausdruck; sie verhalten sich gleichgültig gegen alles, was sie sehen; für die Kälte sind sie äußerst empfindlich. Das junge Mädchen hat die Nasenlöcher auf beyden Seiten durchstochen, um Ringe daran hängen zu können; der Knabe hat die Lippen rings herum schwarz tatowirt.

Münchener Politische Zeitung Nro. 293. Montag, 11. Dezember 1820.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

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