Kein Grab ist stumm

 

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Neuer Nekrolog der Deutschen (1841)

Johann Jacob Mezler,
Maler u. Privatzeichnungslehrer zu München;
geboren den 27. Juni 1804, gestorben den 11. Okt. 1839.

M. ward zu Fürth bei Nürnberg geboren, wo der noch lebende Vater, Joh. Peter Mezler, Bäckermeister ist. Nachdem er die dortigen Elementar- und höhern Volksschulen mit vorzüglichem Fleiß und zur vollkommenen Zufriedenheit seiner Lehrer besucht, seine Entlassung erhalten und konfirmirt worden, widmete er sich mit besonderer Vorliebe bei dem in seiner Vaterstadt Fürth noch lebenden Maler und Zeichnungslehrer Elias Oehme der Zeichnungskunst. Mit unermüdlichem Eifer und nur für diese lebend und wirkend, brachte er es in kurzer Zeit dahin, daß er im J. 1823 von seinem Vater die Erlaubniß erhielt, sich nach der in seiner vaterländischen Residenzstadt München bestehenden Akademie der bildenden Künste begeben zu dürfen, wo er mit dem höhern Studium der Zeichnungskunst auch noch das der Malerei und Kunstgeschichte verband. War in dem ihm angewiesenen frühern engern Kreise seine Vorliebe für Kunst schon so groß, so verdoppelte sich hier sein Eifer um so mehr, je tiefer sein Geist selbst in diese eindrang und je mehr mit den zunehmenden Jahren auch seine geistigen Kräfte wuchsen, so daß er auch diese Kunstschule mit den besten Zeugnissen, begleitet von den Segenswünschen seiner Lehrer, im J. 1828 verließ. Er hatte sich hier besonders dem historischen Fache gewidmet, worin er auch eine sehr hohe Stufe der Vollkommenheit erreichte.

Bald nach dem Austritt aus der Akademie wurde ihm von mehreren Vorstehern bedeutender Privatinstitute der Unterricht der Zöglinge im Zeichnen anvertraut und übertragen und er erwarb sich - ganz für dieses Fach und zum Lehrer geboren - bald die Achtung und Liebe seiner Vorgesetzten und Untergebenen im reichsten Maas. Im J. 1836 endlich trat er selbst als Vorsteher einer Privatzeichnungsanstalt auf. Der auch hier ihm ungetheilt zuerkannte Beifall verschaffte bald seinem Institut einen ausgezeichneten Ruf, der es als eines der bedeutendsten Institute Münchens erhob. Nur 3 Jahre sollte er des Glückes sich erfreuen, seine ihm mit unveränderlicher Liebe ergebenen Zöglinge zu unterrichten, denn schon vor dem Schlusse des 3ten Jahrs, als er eben im Begriffe stand, durch eheliche Verbindung sein Lebensglück zu gründen, machte eine nur 14 Tage anhaltende Krankheit - eine Gehirnentzündung - seinem kurzen, thätigen, irdischen Daseyn ein Ende.

Sein Leben war, so weit es im Bereiche menschlicher Beurtheilung liegt, rein vom Tadel. Mit inniger, ungeheuchelter Frömmigkeit, die er in Wort und That zu erkennen gab und wovon alle seine Werke zeugen, verband er einen stillen, jedoch heitern Sinn, der ihn nicht so sehr zur lauten Freude führte, desto mehr aber einen engen Zirkel gewählter Freunde ihm schätzbar machte. Diese erkannten auch im vollsten Maase seinen Werth, den er als bescheidener anspruchsloser Mann nicht zu fühlen schien und nie wird sein Andenken in den Herzen derer erlöschen, die den Entschlafenen näher kannten, denen er Freund, Wohlthäter und Lehrer war. Religion war stets sein höchstes Kleinod - Religion war auch sein letzter Trost. Wie er gelebt, so starb er: ruhig und still.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1841.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.