Kein Grab ist stumm

 

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Tonkünstler-Lexicon (1861)

Spitzeder (Joseph), Sänger beim Königstädter Theater zu Berlin. Geboren 1795 zu Bonn, wo sein Vater Bassist war. Joseph spielte bereits in früher Jugend in Kinderkomödien, die in Weimar in höhern Zirkeln aufgeführt wurden, kam später nach Bamberg und Nürnberg zum Theater, und ward 1818 beim Theater an der Wien zu Wien engagirt, wo er zuerst als Papageno auftrat und noch den Unterricht Weigl's erhielt. Seine Glanzperiode beginnt mit seinem Engagement beim Königstädter Theater zu Berlin, wo er den 4. August 1824 als Istock (Ochsenmenuett) mit ausserordentlichem Beifalle debütirte, und auch bis zu seinem Abgange der Liebling des Publikums blieb. Seine vorzüglichsten Rollen in Berlin waren:

1824: Istock (Ochsenmenuett); Roms (d. heimliche Ehe); Stössel (Apotheker und Doktor); Rund (d. Dorfbarbier); Freidum (Fee aus Frankreich); Hyron. Knicker (Op. gl. N.); Sachini (d. Sänger u. d. Schneider); Thaddäus (Theodor).
1825: Lapalius (d. Uniform); Nitsche (d. rothe Käppchen); Wastel (Tyroler Wastel); Olivier (d. Rosenmädchen); Caspar (d. lustige Beilager); Barthel (Fest d. Winzer); Thaddäus (d. Italienerin in Algier); Fierepansen (d. Rosenhütchen); Wilhelm (d. Schnee); Magnifico (Aschenbrödel); Alfonzo (Mädchentreue); Olivier (d. Rosenmädchen); Pan Prodins (d. Rückkehr des Kosacken); Borthal (Rochus Pumpernickel); Briquet (Sieben Mädchen in Uniform).
1826: Goronio (d. Türke in Italien); Tita (Lilla); Betaille (Sargines); Scherasmin (Oberon); Emanuel (Roland's Knappen); Hans Molkus (d. Wildfang); Bruno (d. Gasthof zum goldenen Löwen); Hahn (d. Schatzgräber).
1827: Amtmann (Ioconde); Kapellmeister (d. Corsar aus Liebe); Baptiste (d. Maurer); Macrobio (d. Probierstein); Isidoro (Corradino); Braudel (d. lustige Schuster); Petroff (d. liebenswürdige Alte); Schulmeister (d. Dorf im Gebirge).
1828: Pictro (Fiorella); Krebs (die Schwestern v. Prag); Coop (Jugendjahre Heinr. V.); Amtmann (Nachtigall u Rabe); Philipp Rüstig (d. l00jähr. Greis).
1829: Saldorf (d. Braut); Flambeau (Graf Ory); Georg (Torwaldo u. Dorliska); Simon (d. unruhige Nachbarschaft).
1830: Florbach (Dichter u. Tonsetzer); Florian (d. Diamant des Geisterkönigs); Jakemann (die 2 Nächte); Podesta (d. diebische Elster); Wurzel (d. Bauer als Millionär); Kockburn (Fra Diavolo); Faber (Gulistan); Pfau (d. Brief an sich selbst).
1831: Olearius (Brautschau auf Kronstein); Bellarosa (d. reisenden Operisten); Gamautte (Marg. v. Anjou); Christoph (Lindane); Wachtelpeter (d. Bernsteinring).
1832: Michael (die Macht kindlicher Liebe); Bartolo (der Barbier von Sevilla, v. Rossini) etc.

Im Jahre 1832 verliess er das Königstädter Theater, mit dessen Direction er in der letzten Zelt in Uneinigkeit gerathen war, auch einen Federkrieg in den Zeitungen mit derselben führte. Von Berlin ging er nach München, wo er jedoch bereits am 13. December 1832 starb. Spitzeder gilt allgemein für den grössten Buffosänger Deutschlands, er besass eine herrliche Bassstimme, von bedeutendem Umfange (Contra C bis zum hohen E), die mit schönem metallreichem Klang Kraft und Biegsamkeit verband. Sein Spiel war vortrefflich und sein Humor unerschöpflich. Obgleich er in komischen Opern bis jetzt noch nicht wieder ersetzt ist, so eignete er sich doch durchaus nicht zum Vortrage ernster Gesänge, und bei einem Kirchenconcerte, wo er mitwirkte, missfiel er. Sein Bild lith. v. Werner. Berlin, Gropius; ferner als »Aschenmann«; (Bauer als Millionär); als Isidor (Corradino), in Saphir's Berliner Theater-Almanach auf 1828.

Carl Freiherr von Ledebur: Tonkünstler-Lexicon Berlin's von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Berlin, 1861.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.