Kein Grab ist stumm

 

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Die Deutschen Dichter der Neuzeit (1852)

August Schnezler

wurde den 4. August 1809 zu Freiburg im Breisgau geboren, wo sein Vater Stadtdirektor und Kreisrath war. Er genoß eine sorgfältige Erziehung und verdankt, neben seinem vortrefflichen Vater, die erste Anleitung zur Poesie dem ausgezeichneten Henne, zur Zeit Universitätsprofessor in Bern, der 1821 als sein Informator im väterlichen Hause wohnte.

Seine höhere wissenschaftliche Bildung erwarb sich Schnezler auf den Hochschulen zu Freiburg und München, wo 1833 die erste Sammlung seiner Gedichte erschien. Der Aufenthalt im »deutschen Athen« gab seinem Geiste reiche künstlerische Nahrung, sowie der Einfluß Oken's, dessen Haus er fleißig besuchte, ihn zum eifrigen Studium der Naturphilosophie hinlenkte. Seither hielt er sich als Mitarbeiter an mehreren Zeitschriften, als Mitherausgeber des »rheinischen Odeon« (mit Ignaz Hub und Ferd. Freiligrath, 1837-40) und Redaktor des belletristischen Blattes »Gutenberg« (von 1842 bis Mitte 1844) nach einander in Heidelberg, Mainz, Frankfurt und Darmstadt auf, wandte sich dann nach Stuttgart und Karlsruhe, wo er sein dem Großherzoge von Baden gewidmetes »Badisches Sagenbuch« (2 Bde. 1846), die neue vermehrte Ausgabe seiner »Gedichte« (1846) und die »Badische Kammer, Auswahl der gediegensten Kammerreden etc.« (1847) dem Druck übergab. Im Jahre 1650 redigirte er die »Pfälzer Zeitung« und lebt nun in München.

Schnezler hat vornehmlich am Studium Goethe’s und Platen’s, dessen vollendet rythmischen Formen und feinem Tongefüge er sich äußerst gewandt anzuschmiegen versteht, sein schönes Talent gezeitigt. Das eigentliche Element seines poetischen Lebens bildet ein inniges, wahres Gefühl für die Natur, eine von aller falschen Sentimentalität unberührte Zartheit der Empfindung, naive Lebensanschauung und ein heiterer idyllischer Humor, der besonders aus seinen märchenhaften Darstellungen spricht. Er belauscht gerne das Lächeln seiner waldromantischen Muse, das er höchst anmuthig aufzufassen und zu veranschaulichen weiß.

Der Ernst des Erhabenen gelingt ihm weniger; hohe Begeisterung und Kühnheit der Gedanken eignen seiner milden Natur nicht, wohl aber mehr das Sinnige, Beschauliche; die Phantasie, das malerische Talent, bei ihm der Empfindung untergeordnet, ist nicht sehr farbenreich, aber doch frisch und blühend; die Sprache wohlklingend, die Behandlung des Stoffes nicht selten geistreich.

In seinen seit 1842 geschriebenen Zeitgedichten offenbart sich eine kräftig-gemüthliche Theilnahme an allen höheren Menschheitszwecken. Manche seiner melodiösen Lieder sind von anerkannten Tonmeistern, wie Vinzenz Lachner, Kalliwoda, Lindpaintner u. A., in Musik gesetzt.

Seine in verschiedenen Unterhaltungsblättern und Feuilletons mitgetheilten Novellen und Humoresken, seine kleinen Dramen und Lustspiele (darunter: »Quintin Messys,« - »der Riß zum Kölner Dom,« - das Lustspiel: 1999, u.s.w.) sind noch nicht gesammelt erschienen.

Ignaz Hub: Die Deutschen Dichter der Neuzeit. München, 1852.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.