Kein Grab ist stumm

 

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Münchener Ratsch-Kathl (1895)

Der Krenkl selig.

Eine Originaltype Münchens ist zweifellos der alte Krenkl selig gewesen, für den die Nachwelt sich stets noch lebhaft interessiert. Wir bringen heute die Kopie eines Originalbildes Krenkls zur Zeit seiner jüngeren Jahre.

Krenkl war ein Unikum seltenster Art und verdankt er seine Berühmtheit lediglich seiner Originalität. Diese Originalität aber bestand hauptsächlich in der urwüchsigen kernigen Ausdrucksweise Krenkls, in der Geradheit und Offenheit seines Benehmens und in seinen Münchner Spezial-Kraftausdrücken. Grob und massiv konnte Krenkl sein, das muß jeder zugestehen, der ihn kannte, aber auch ehrlich und offenherzig war Krenkl stets. Er war ein rauher, aber herzensguter und wohlthätiger Mensch.

Obwohl in Landshut geboren, betrachtete sich Krenkl dennoch als echtes Münchnerfrüchtl und wurde er deshalb eine Münchner Originaltype. Er war ein Volkshumorist und Satyriker eigenster Art. Mit derben, kernigen, aber treffenden Witzworten wußte er sich auszudrücken und nichts war ihm lieber als ein möglichst saftiger Diskurs, bei dem es an Kraftausdrücken nicht gebrach.

In jüngster Zeit hat man durch ein Theaterstück am Volkstheater den Namen Krenkl allgemein wieder gehört und das Interesse der Menge wieder wachgerufen, was auch uns veranlaßte, den längst verstorbenen Münchner Lohnkutscher und Pferdehändler Krenkel unsern Lesern im Bilde vorzuführen. Krenkl hatte ein Alter von 80 Jahren erreicht und starb anno 1860 in Stuttgart, woselbst er gelegentlich eines Pferdemarktes vorübergehend verweilte, infolge eines Schlaganfalles im Theater. Viele der bekannten Krenklwitze zirkulieren heute noch und muß man denselben unwillkürlich einen gesunden Volkswitz zuerkennen.

Münchener Ratsch-Kathl. Mittwoch, 15. Mai 1895.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.