Kein Grab ist stumm

 

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Franz Xaver Krenkl - Der Rennmeister der Münchener Oktoberfestrennen 1780-1860 (1964)

Ein Vorwort zum Vorwort des Krenkl-Büchleins

Was hat uns ermuntert, dieses Krenklbücherl zu schreiben für unsere Mitarbeiter in der Firma Carl Hurth, für die alten Münchner und die Zugereisten aus der näheren und weiteren Umgebung unserer deutschen Heimat? Einmal sollte die Lebensgeschichte eines echten Münchner Originals dazu beitragen, den neuen Münchnern und allen Freunden Münchens die Mentalität unserer schönen und liebenswerten Stadt und ihrer Einheimischen verständlich zu machen, und dann sollte dieser Lebensbericht mithelfen, die heutigen Mitbürger aufzuklären, wie echt und wirklich volkstümlich für alle Stände, für Jung und Alt, in früheren Jahren das Oktoberfest gefeiert wurde. Und weil damals alles so echt und volkstümlich von Jung und Alt, von allen Ständen, miterlebt werden konnte und weil es noch gar nicht in geschäftlichem Sinne ausgerichtet war, konnten sich auch Originale aus dem Volke eher bilden; Originale, an denen es leider heute in unserem Massenzeitalter so sehr mangelt. An deren Stelle sind heute die sogenannten Stars getreten.

Die Volksmassen kennen diese meistens nur vom Fernsehen, vom Rundfunk oder von den Illustrierten her, und sobald diese auf dem Bildschirm oder im Lautsprecher oder in der Presse weniger zu sehen oder zu hören sind, sind diese Stars auch schon wieder bald vergessen. Sie sind eben fast ausnahmslos keine Originale gewesen und leben im Andenken des Volkes nicht fort.

Das Massenzeitalter kann keine Originale mehr gebären.

Es ist auch gar nicht leicht, Originale aus der Gegenwart oder näheren Vergangenheit aufzuzählen, die den Münchnern geläufig sein müßten, und die heute noch in der Erinnerung der älteren Leute leben. Die Originale der letzten 50 Jahre sind nicht, wie heute die »Stars«, populär durch die Presse gemacht worden. Das Volk hat seine Originale aus Sympathie selbst anerkannt, geliebt und geachtet und nie vergessen.

Ist es nicht ein Mangel unserer Zeit, daß sich kaum mehr Originale entfalten und behaupten können? Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Original und einem Star? Das läßt sich sehr kurz erklären: Mit dem Auftreten und Bekanntmachen eines Stars werden immer Geschäfte gemacht und wird immer Geld verdient. Ein Original aber muß sich sein Ansehen allein als Persönlichkeit erworben haben.

Ein solches Original im besten Sinne des Wortes war unser Xaver Krenkl, wenn er auch den Münchnern meist nur einseitig bekannt ist als großer und derber Lohnkutscher und Pferdeliebhaber. Das Eigenschaftswort »original« heißt ins Deutsche übersetzt: ursprünglich, echt, schöpferisch. Ein Original ist in seiner Zeit immer einmalig und redet und schreibt nicht alles nach, was von anderen schon oft vorgeschwatzt oder geschrieben wurde.

Jedes Original ist anders, aber einiges scheint den meisten von ihnen eigen zu sein: sie sind alle nicht zart beseitet, sie haben Zivilcourage, sie sind keine Massenmenschen, sie sind keine Leisetreter und sind offen und ehrlich und keine Schmeichler.

Es gibt noble Originale und es gibt grobe Originale. Es gibt sie aus allen Ständen und Berufen. Originale sind das Gegenteil von Massenmenschen.

Sterben die Originale in unserem Zeitalter aus? Es ist fast zu befürchten. Und deshalb haben wir den guten, ehrlichen und derben Krenkl gewählt und blicken mit ihm zurück auf eine vergangene Zeit, in der das Oktoberfest noch ein echtes Fest des Volkes war, eine Zeit, in der auch der Münchner Fasching urwüchsiger und künstlerisch origineller war als der heutige, und eine Zeit, in der Schwabing ein völlig anderes war als es heute leider geworden ist.

Und so geben wir dieses Büchlein im Oktoberfestmonat 1964 unseren Mitarbeitern und Freunden in die Hand.

Hans Hurth

Vorwort

Vorworte und Geleitworte, man mag sie nennen, wie man will, werden selten gelesen. Trotzdem seien auch diesem Büchlein einige Worte vorangestellt, nicht bloß als freundliche Begrüßung für den geneigten Leser, sondern vielmehr als Erklärung, wie diese Blätter zustande kamen.

Vor Jahresfrist schlenderte ich durch die mir lieb gewordenen Landshuter Straßen, als plötzlich mein Blick an der Fassade eines kleinen, unscheinbaren Hauses haften blieb, wo ein Gedenktäfelchen kündete, daß dies das Geburtshaus Franz Xaver Krenkls wäre.

Xaver Krenkl, der Ur-Münchener, ist also gebürtiger Landshuter!

München wirkte eh und jeh wie ein Magnet, der unwiderstehlich alle schaffensfrohen Menschen anzog, und obendrein das Wunder wirkte, daß diese Menschen tatsächlich Münchener wurden, ohne es zu ahnen. Es ist ein eigentümlicher Zauber, Münchener zu sein. Das empfindet man erst so recht, wenn einen das Schicksal, so wie mich, auch nur fünfzig Kilometer Isar-abwärts verschleppte. München ist und bleibt die unvergessene Heimatstadt. Und mein Herz schlägt jedesmal rascher und freudiger, wenn ich die Moosacher Gaskessel erblicke oder inmitten steilragender Hochhäuser irgendwo noch eine alt-münchener Idylle entdecke.

So ist das Krenkl-Büchlein entstanden, das ich allen Alt- und Neu-Münchenern, von denen wohl manche den Krenkl erst entdecken werden, in die Hand lege, wobei ich hoffe, daß die derbe, herbe Gradheit dieses Altbayern mit dem fast sentimentalen Herzen auch heute noch Freunde finden möge.

A. Alckens

Inhalt

Ein Vorwort zum Vorwort
Vorwort des Verfassers
Franz Xaver Krenkls Leben
Krenkl-Anekdoten
Anmerkungen
Nachwort

© August Alckens: Franz Xaver Krenkl, der Rennmeister der Münchener Oktoberfestrennen 1780-1860. Maschinen- und Zahnradfabrik Carl Hurth München. 1964. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Gleason-Hurth Tooling GmbH.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.