Kein Grab ist stumm

 

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Franz Xaver Krenkl - Der Rennmeister der Münchener Oktoberfestrennen 1780-1860 (1964)

Krenkl-Anekdoten

Vorbemerkung

Wie in letzter Zeit viele bon mots und sarkastische Worte und Anekdoten aus der Zeit des Dritten Reiches dem Weiß-Ferdl und Karl Valentin in den Mund gelegt wurden, so geschah es auch Xaver Krenkl; doch fühlt man bald die echten und die ihm unterschobenen Witze auseinander.

Daß Krenkls Humor derb war, für den Nichtbayern vielleicht roh und beinahe abstoßend wirkt, muß man als Tatsache hinnehmen. Jedoch muß man sich stets vor Augen halten, daß er ein Münchener Pferdehändler und Lohnkutscher war und als solcher ein besonderes Privileg genoß, seine Meinung unverblümt und ohne jede Tarnung kundzutun. So war es auch noch zu Beginn dieses Jahrhunderts.

Wenn man bedenkt, daß ausgerechnet in Norddeutschland seit Jahren ein »Lemia«-Verein besteht, der sich vorzüglich mit der Erforschung und Verbreitung des Götz-Zitates befaßt und aus ganz Europa Zuschriften erhält, daß das in mehreren Auflagen erschienene Buch »999 Worte Bayrisch« diesen vier Worten ein eigenes Kapitel widmet, daß ein »Bayerischer Decameron« und eine »Bairische Weltgeschichte« zu beliebten Büchern zählen, dann wird man sich nicht wundern, daß in Krenkls engster Heimat sich der Sinn für seine drastische Ausdrucksweise erhalten hat. Sie zu mildern, unserm heutigen Sprachgebrauch anzupassen, hieße, das Wesentliche zerstören. Die Anekdoten sind daher in buchstabengetreuer Wiedergabe ihrer Erstveröffentlichung abgedruckt, wobei bemerkt sein soll, daß es sich nur um eine Auswahl handelt, da die weggelassenen unserer Zeit tatsächlich kaum mehr zusagen würden. Wer sie trotzdem kennenlernen will, muß sich an Bibliotheken wenden, wo sie als kleine Kostbarkeiten verwahrt werden.

Gambrinus. Humoristisches Münchener Taschenbuch für das Sudjahr 1853/54. Von Franz Stelzhammer. Mit einem Verzeichniß aller in München befindlichen Brauer, Wirthe und Cafetiers. München, 1852. Georg Franz.

Wie wir weit entfernt sind, die ehrenwerthe Persönlichkeit des Münchner Bürgers und Lohnkutschers Herrn Krenkel auch nur im mindesten beeinträchtigen oder in unedler Absicht der Öffentlichkeit preisgeben zu wollen; so würden wir uns mit kaum geringerem Nachdrucke gegen Einsprache oder unzeitige Empfindlichkeit von seiner oder anderer Seite für unser gutes Recht wehren: daß wir hier in einer spezifisch Münchnerischen Schrift einer im Münchener Volksleben so hervorragenden Erscheinung gedenken und ein paar Seiten mit seinen originellen Äußerungen und Kraftsprüchen zum Vergnügen unserer Leser anfüllen.

Der Name Krenkel, der Name des zu seiner Zeit ersten und berühmtesten Rennmeisters von München reicht in meine tiefste Jugenderinnerung hinunter. Was war das von unsern Pferdehändlern, die den großen Keferloher Markt (11) besuchten, oder von unsem Rennroßinhabern, wenn sie von dem großen Münchener Herbstrennen nach Hause kamen, was war das für ein Erzählen und wieder Erzählen und wer nur erzählte und was er auch erzählte, der Name Krenkel tönte aus jedem Munde, tönte aus jeder Geschichte. Und als ich voriges Jahr, eigens um Herrn Krenkel zu sehen und zu hören, Mittags in die Hauser’sche Weinhandlung auf dem Rindermarkt gegangen war, ha, was hörte ich! Ich sah und hörte, daß die Erzählungen und Schilderungen durchaus mit Krenkels persönlicher Erscheinung harmonieren. Ich sah und hörte aber noch mehr, ich sah und hörte, daß Herr Krenkel, der edle Roßtäuscher und Rennmeister meinen lieben Innviertlern nicht nur als lieber Erzählungsstoff, sondern daß der den Schälken auch sonst in Allen und Jedem zum beliebten Muster und Vorbild gedient hätte. - Dieses laute, schreiende Reden, dieses mit einem Schlag auf die Tischplatte begleitete, unumstößliche: »Und das sag I!« Dieses Schwanken mit dem Glase, dieses Eindrücken des Hutes auf das rechte Ohr, dieselben kühnen Gleichnisse und Kraftausdrücke, dieses Hände in den Ledersack stecken und umrühren in den gleichviel Kronenthalern oder schmutzigen Sechsern, kurz dieses ganze, ungenierte Sichgeben und nehmen - wartet, ihr Pfuscher von Landsleuten! das habt ihr alles dem edlen Herrn Vater Krenkel abgelauscht und abgelernt, und ihr thatet im gläubigen Vaterländchen so groß damit, so herrisch und originalmäßig - wartet, wartet, wann ich wieder zu euch komme und es euch Vorhalten kann!

Vater Krenkel, benutze deinen schönen und heitern Lebensherbst und mache noch einmal eine kleine Spazierfahrt ins nahe stammverwandte Innviertel. Pferdebesitzer, Pferdeliebhaber, Pferdekenner und Pferdenarren in Abundanz! Und dazu noch immer soviel von deiner Art und Weise, daß du dich gewiß nicht fremd fühlest! Freilich, deine alten Bekannten und Brüderchen, die Achauers, Grandauers waren nicht so zäh' wie du - allerlei Unglück hat sie erst eine Weile mürbe gemacht, bis der unerbittliche Tod sie hinwegfegte von der freundlichen Erde.

Ach, ich könnte all’ dieser vorübergegangenen Kraft und Herrlichkeit gedenkend, fast traurig und melancholisch werden! Allein mein Taschenbuch erlaubt das nicht: darum geschwind einige erheiternde Krenkeliana.

Krenkel hatte einen Knecht, der trotz seines Fleißes, trotz seiner Bravheit und guten Manier seinem Herrn nichts recht machen konnte, und beständig ausgezankt und beschimpft wurde, so daß er eines Tages sich für den Dienst bedankte und sein Zeugniß verlangte. Die andern Knechte, die ihren braven Kameraden ungern scheiden sahen, sagten zu ihm: Du bist ein rechter Narr gewesen mit deinem Aufsagen, du kennst unsern Herrn nicht, mit dem, wenn er schimpft und grob ist, muß man nur auch schimpfen und womöglich noch gröber sein.
Hättet ihr mir das früher gesagt, aber wartet, eh’ ich geh’, soll er sehen, daß ich auch anders als höflich seyn kann! sagte der betrübte Knecht und nahm sich vor beim Abschied zu thun, was man trivial einmal recht »sein Maul ausleeren« heißt.
Der Moment kam. Der Knecht, bereits im Sonntagsstaat, war so was man sagt »kotzengrob«, polterte, lärmte, lästerte, schimpfte und verunglimpfte, so daß Krenkel sich nur verwundern konnte und staunen mußte, bis er dem Schimpfer auf die Achsel klopfend im besten, freundlichsten Tone sagte: »Laß’s gut seyn, Boldl, i siegs schon, du mächsti wieder bei mir einschmeicheln, aber es thuts nimmer mit uns Zwei. Aus is aus!«

Bei Volksfesten suchte er immer unter den Ersten zu seyn; denn sein Ehrgeiz wollte, daß München in keiner Art zurückstehe. - Einmal aber bekam er beim Pferderennen den zweiten Preis. Als dasselbe beendet war und die höchsten Herrschaften nach Hof zurückeilten, rief ihm eine derselben zu: »Herr Krenkel, Sie haben doch den ersten Preis errungen?« - »An Dreck ‘s Zwoatl hob i kriagt.«

Ein Mann (läutet zur Nachtzeit an seinem Hause):
Herr Krenkel!
Krenkel: Wer is denn da drunt’?
Mann: I bin’s.
Krenkel: Ja wer denn?
Mann: I!
Krenkel: Ja wos denn für a I?
Mann: No, i bin’s.
Krenkel: Na, so sch... i da auf dein Kopf, nacha hat dei I a Tüpfi a!

Doktor Fingerl: »Was halten Sie von dem jetzigen deutschen Reich?«
Krenkl: »Do hab' i hoit wias da Schilla-Fritzl mit Rom g’habt hot: Des deutschi Reich, daß Gott dabarm; kalt bist du net, do werst net warm.«

Künstler: »Hören Sie, wie ich vor dieser Cholera bange habe, das kann ich Ihnen gar nicht sagen.
Krenkel: »A mei! wia werd's denn ehs Künstler Cholera krieagn! Es könnt's ja vor Noth net sch..’n!«

Dr. Fingerl: Lesen Sie doch ums Himmelswillen einmal in der Chemie!
Krenkel: I halt so lang nix auf engara Chemie, bis ma net a Kottlet an am F..ts brot'n ko.

1. Jurist: Es war ein qualifizierter Mord.
2. Jurist: Nun freilich, ein Mord mit Vorbedacht!
3. Jurist: So ganz mit Überlegung...
4. Jurist: Nein, vorsätzlich...
Krenkel: Jetzt hob’ i aba g’nua und frog Ehna amol; was denn nacha des für a Mord is, weil's gar so studiert san: Wann i Ehna zufälli mit’n Reg'nschirm in den Hintern fahr’ und den ganz’n Reg’nschirm drinna aufspann?

Krenkl’s Leben und Sprüche. München 1860. Druck und Verlag von J. Deschler in der Vorstadt Au. Vierte Auflage. Preis 3 Kreuzer.

Als ein entschiedener Gegner von Spitzfindigkeiten und des beleidigenden Hochmuths, äußerte er sich einem angesehenen Manne gegenüber, welchem er im Wege umzugehen schien, und der ihn mit den Worten niederzudonnern suchte: »Wissen Sie nicht, daß ich der Herr von ... bin?«
»Daß Sie a Fuchs san, wußt’ i net, daß Sie aba a rechtes Viech san, dös kenn i scho’!«

Auch für dumme Ansichten, falsche Meinungen usw. hatte er sogleich sein Schwert des Volkswitzes und machte sodann keinen Unterschied, mit wem er es auch zu thun haben mochte. So hatte ein Vornehmer ein ganz stockblindes Pferd, glaubte aber immer, diesem Übel sei noch leicht abzuhelfen. Er ließ nun einmal Krenkl kommen, und als dieser sich von der Stockblindheit des Pferdes und von dem hartnäckigen Irrthum des Eigentümers überzeugt hatte, fragte ihn letzterer: »Nun, Herr Krenkl, haben Sie meinen Gaul gesehen?« - »Ja freili«, erwiderte dieser, »ob aba er mi g’sehn hot, des woaß i net. Adieu, Herr L...«

In einer hiesigen Weinwirthschaft wurde ein ihm unbekannter Familienvater von zwei Bürgern wegen 10 fl. (Gulden), die derselbe beiden schuldig war, auf sehr gemeine Weise beleidigt. Krenkl erkundigte sich um die Ursache der Schuld, und da er erfuhr, daß der Bedrängte für einen andern armen Familienvater für die betreffende Summe gut gestanden war, welche aber nicht zur bestimmten Zeit bezahlt wurde, erklärte sich Krenkl entschieden für den Beleidigten und warf eine 10-fl.-Note mit den Worten auf den Tisch: »Do, es Tröpfi! wenn’s es koa Herz net habt’s, nacha hob ‘s i!«

Eines Tages bettelte ihn ein verheirateter junger Mann, dessen Verschwenderei dem Krenkl bekannt war, um ein 6-kr.-Stück an. Da der Gesuchstellende eine Cigarre im Munde hatte, sagte Krenkl: »Des war a bessa, wenn ihr engari Kinda an Schnulla-weck’n kaffats, als wie a Cigarr’n raucha. Do habt’s an Zwanz’ga, aba Schnullaweck’n müass'n her!" Mit diesen Worten gab er dem Gesuchsteller einen Zwanziger und entfernte sich.

Bei einer anderen Gelegenheit sagte zu ihm ein Cavalier, welcher gleichfalls mit Pferden handelte: »Herr Krenkl machen verflucht gute Geschäfte.« Krenkl: »Alles nur um’s Geld.« Cavalier: »Bei Euch hört man halt nichts als von Geld.« Krenkl: »Für was handeln nacha Sie?« Cavalier: »Der Ehre wegen.« Krenkl: »No, so handel i um’s Geld, weil i halt ‘s Geld brauch’, und Sie um d’ Ehr’, weil's halt a Ehr’ braucha.«

Während eines heftigen Regens trat er in das Zimmer einer Behörde. Dabei bediente er sich der rechten Hand, um den Regenschirm zu tragen, und mit der linken schloß er die Thüre; den Hut behielt er auf. Da rief man ihm zu: »Wollen Sie doch den Hut abnehmen!« Krenkl erwiderte: »So warten’s do a weni! Mit da rechten hob i an Regenschirm, mit da linken hob i d’Thür zuag'macht und mit’m A... ko i do an Hut net oba thoa.«

Ein Cavalier glaubte, daß Krenkl einem vorgeführten Pferde Pfefferkörnchen in den After habe thun lassen, da es den Schweif so schön trug. Da fühlte sich Krenkl an seiner unbestechlichen Ehrlichkeit angegriffen und erwiderte beißend: »Herr Gr.., iatz saug’ ns amol und wenn’s a oanziges Pfefferkerndl aussa saug’n, nacha g’hört des Roß Ihna.«

Als ihm ein Bekannter seine kupferfarbige Nase in den Kupferhammer zu tragen rieth, antwortete Krenkl: »G’rad kumm i vom Hammameista her und der hot g’sagt, daß a Jeda a Esel is, der sie für Kupfer halt.«

[…]

Aus späteren Veröffentlichungen

Eines Abends glaubte Krenkl in der Nähe des Karlstores einen alten Bekannten zu sehen und eilte ihm nach, ihm auf die Schulter klopfend. Der Angehaltene, ein blasierter Mensch, sagte: »Du lieber Jott! In München kann man nicht einmal über die Straße schwirren, ohne für ein janz jewöhnliches Wesen jehalten zu werden. Was wollen Sie von mir? Ich bin der Sekretär...« Krenkl erwiderte sogleich. »Na, gengans no wieder weiter, i siech scho, daß der, den i gsuacht hob, koa so saudumms Gsicht hat.«

Krenkl war wegen eines Roßhandels vor Gericht geladen, als er nicht recht mit der Sprache heraus wollte, ermunterte ihn der Richter mit dem Ausruf: »Herr Krenkl, schleimen Sie sich nur aus!« Krenkl erwiderte hierauf: »Es geht net recht, i hob die Wochen no gar koa Zeitung g’lesen.«

Herr M: »Jetzt möchte ich doch einmal wissen, was Herr Krenkl von dem menschlichen Geist halten, von seinem Produkt usw., das denselben erzeugt.« Krenkl: »No, da Geist is holt wie a wiedakauats Viech, denn erst nach der Verdauung kommt das Produkt.«

Herr Rindfleisch: »Herr Krenkl, wir sind jetzt vor Gericht...«
Krenkl: »Ja, und wenn i nomal wegen Eana da herlafa müaßt, schlagat i Eana lieber solang, bis aus dem Rindfleisch a Kamanadl werd’.«

1. Spazierreiter: »Herr Krenkl, tadeln Sie doch einmal diese Pferdewärter!«
2. Spazierreiter: »Sie nehmen Trinkgeld und sind einem zu nichts nütze.«
Krenkl (zu den Spazierreitern): »Nun freilich! (Zu den Pferdewärtern) Ös Galgentröpfin, ös verfluchte, i jog enk do no zum Teufi, wenns net amol zwoa dumme Kerl in die Steigbügel eini helfa könnts.«

Rennbube: »Herr Krenkl! Jetzt bin i wieda g’sund.«
Krenkl: »Was hat dann nacha g’fehlt? Halt d’Faulkrankheit? Gel!«
Rennbube: »Ja, waar scho recht! Und Dokta hab’n g'sagt, ich hätt’s Nervenfieba, oda ‘s Schleimfieba oder an Typhus, wie sie’s hoaß'n.«
Krenkl: »Jetzt schau des Tröpfi o! Krieagt der jetzt scho’ so a nobliche Krankheit.«

Ein Student hatte ein Krenkl’sches Pferd für einen kleinen Spazierritt gemietet. Voll Schweiß und Schaum brachte er nach ein paar Stunden dasselbe wieder zurück.
Zum Unglück war Krenkl zu Hause und sah den Zustand.
Glauben Sö, junger Reitteufel, i laß für 1 fl 50 kr. eines von meine besten Pferd' z’grund richten! fuhr Krenkl auf den Reiter los. Sag’n S’ ma um Gotteswillen, wos ham’ S’ denn g’macht?
Ja, sehen Sie, Herr Krenkl - dichtete aus dem Stegreife der Student - ich reite in ganz kleinem Trabe von Nymphenburg die Allee herab; da kömmt so ein Krippenreiter nachgesprengt und, hui, an mir vorüber. Mein resp. Ihr Pferd will das nicht leiden, machte einen Satz vorwärts. Ich denke mir: was, ich auf einem Krenkl’schen Pferd und so ein Ellenreiter, und -
Da hams Pferd auslassen, nöt wahr, ruft Krenkl mit funkelnden Augen. Nöt wahr, Sö ham’s auslassen?
Ich habe wohl müssen, ich hab es nicht mehr erhalten können! sagte der Studio und wischt sich mit dem Seidenfoulard den Schweiß von der Stirne.
No, und wie is ganga? fragt Krenkl voll Ungeduld.
Student: Herrlich! Die große Allee hatten wir im Nu hinter uns. In der Reihe bei Holzhausen -
Krenkl: San S’ ihm vorkomma?
Student: Noch nicht, aber im Flug ging es vorüber, bis nahe heran an der K. Erzgießerei, dort -
Krenkl (mit begeisterter Stimme): San S’ ihm vorkomma?
Student: Noch nicht, aber an dem Löwenbräukeller herab gegen den Schranken zu -
Krenkl (mit den Armen rudernd): San S’ ihm vorkomma?
Student: Nicht ganz, aber die Dachauerstraße herein bis gegen das neue Brunnenhaus - da -
Krenkl (mit dem ganzen Leibe in Bewegung und schreiend): San S’ ihm endli vorkomma?
Student: Da habe ich ihn erst auf halbe Roßlänge erreicht, aber herauf gegen den Schimmelwirth -
Krenkl: Sakra, san S’ ihm no nöt vor?
Student: Jawohl, um meinen resp. Ihren ganzen Roßkopf, aber am neuen Bahnhof -
Krenkl (jubelnd): San S’ ihm dervor?
Student: Und wie, und wie weit, Herr Krenkl, das Rößl hätten S’ sehen sollen!
Krenkl (freudestrahlend): Net wahr, dös Rößl! (laut) Boidl, tuas Füchsl a weni abweisen! (zum Studenten) Wie heiß’n S’ denn?
Student: Xaver Schlingelmeier.
Krenkl: So - Sö derfa a andersmal umsunst reiten! Bhüt Gott! Herr Schlingelmeier.

Ein Bierbrauer (zum Fenster hinausrufend): »No, Herr Krenkl, hobens heut Erstl (1. Preis) wieda krieagt?«
Krenkl: »An Dreck! ‘s Sch...n hob i krieagt auf Euer sauas Bier!«

Dr. Fingerl: »Kennen Herr Krenkl nicht den Herrn Mayer?«
Krenkl (unwillig): »Na!«
Dr. Fingerl: »Aber den Pferdehändler Herrn Müller?«
Krenkl: »Den kenn i scho gar net. Do kenn i no eha an Herrn Mayer.«

Krenkl besuchte wie so oft einmal wieder das alte Schweiger-Theater an der Müllerstraße, wo ihm ein Besucher mit seinem hohen Zylinder die Sicht behinderte. »Sie, Herr Nachbar, mechtn S’ net Eanem werten Deckl owadoa?« redete ihn Krenkl an. Der tut, als hätte er nichts gehört. »Sie, ham S’ g'hört, Eana Angströhrn solln S’ runtanehma!« »Was fällt Ihnen denn ein, ich verbitte mir das! Ich bin der Geheimrat Fuchs!« - »So, daß a Viech san, hab i g’merkt, daß aba a Geheimrat san, sieht ma Eana net o!« war Krenkls Antwort.

Eine in München lebende Urenkelin Krenkls stellte freundlicherweise folgende Anekdote zur Verfügung, die man sich immer in ihrer Familie erzählte:
Krenkl ging einmal mit einem Bekannten durch die Straßen Münchens. Da tauchten plötzlich vor ihnen zwei hübsche junge Bürgermädchen in der schmucken Tracht damaliger Zeit mit Riegelhaube und ziemlich kurz geschürztem Rock auf. Krenkl, hingerissen von den schönen Wadeln der einen, fordert seinen Begleiter auf, etwas schneller zu gehen, um auch ihr Gesicht sehen zu können. Da erkennt er zu seinem großen Erstaunen eine seiner Töchter. »Machst net glei, daß d’ heimkimmst; ja schämst di’ net, mit einem solch’n kurzn Rock rum z’Iauf’n und deine Wadeln herz’zeig’n!" faucht er sie an, und geht weiter.

Nachtrag aus »Gambrinus, humoristisches Münchener Taschenbuch«
Ein Schwindler kaufte von Krenkel ein Pferd und bot ihm statt Geld ein großes Quantum Vanille an. Nur mit Widerwillen ging er auf den Tausch ein; denn »Krenkel und Vanille«, das schien ihm nicht recht zusammen zu passen. Als er später mit seiner Waare zu Tambosi (dem berühmten Kaféhaus am Hofgarten, wo Krenkel Stammgast war) ging, um sie zu veräußern, fand sie dieser für schlecht und unbrauchbar.
Krenkel sah sich in seiner Gutherzigkeit betrogen und rief, auf seinen ersten Gedanken bei dem Tausche: Krenkel und Vanille! sich erinnernd: »Guata Krenkel und so viel schlechter Vanille, des is zum Umbringa!«

© August Alckens: Franz Xaver Krenkl, der Rennmeister der Münchener Oktoberfestrennen 1780-1860. Maschinen- und Zahnradfabrik Carl Hurth München. 1964. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Gleason-Hurth Tooling GmbH.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.