Kein Grab ist stumm

 

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Sion (1867)

† Aiblinger.

Am 6. Mai starb zu München der auf dem Gebiete der katholischen Kirchenmusik verdienstvolle Hofkapellmeister Aiblinger, dessen wir hiemit (nach einer Mittheilung der Augsb. Postzt. Nr. 110) gedenken wollen.

Johann Caspar Aiblinger war in Wasserburg geboren, dem bayerischen Venedig i. J. 1779, machte seine Studien in den Klöstern Tegernsee und Polling, wo er auch bereits für die Tonkunst Vorliebe gewann, und ging dann an die Universität Landshut.

Er wollte und sollte sich dem geistlichen Stande widmen und erhielt auch bereits die niederen Weihen. Aber die Liebe zur Musik obsiegte, er ging, seinem bisherigen Plane entsagend, nach Italien, mit wenigen Zwanzigern in der Tasche. Dort, in dem classischen Lande der Musik, machte Aiblinger erst seine ernsteren Musikstudien, besonders in Bergamo unter Simon Mayer, kam dann nach Vicenza und Venedig i. J. 1810, wo er ein Conservatorium errichtete, Unterricht gab und zu componiren begann, besonders Ballete, Hymnen und Psalmen von ergreifender Wirkung. Nach ungeheurer Tätigkeit und vielen Reisen durch ganz Italien kehrte er nach Bayern i. J. 1819 zurück, wurde Kapellmeister an der italienischen Oper zu München, für welche er eine Oper »Rodrigo und Ximene« componirte und später Gluck's Iphigenia wieder in Scene setzte. Seit dem Jahre 1825 wurde er Capellmeister an der Hofkirche, sowie Freund und Schüler Ett's, dessen Hackbrettchen er auch erbte. In dieser Stellung hat er mit Segen bis vor 3 Jahren gewirkt. Nur eine Reise nach Spanien, um die alten spanischen Musikschätze zu studiren, unterbrach diesen langen Münchner Aufenthalt.

Aiblinger war einer der begabtesten und fruchtbarsten Composileurs der Neuzeit, indem er die Vorzüge der allen Musik mit den Errungenschaften der modernen Technik am Besten zu verbinden verstand. Man hat von ihm über 30 Messen, mehrere mit Harfen, 3 Serien-Vespern, 5 Requiems, Miserere's, Psalmen, Passionslieder, die weitbekannten Marienlieder und zahllose andere religiöse Lieder. Denn er ging keinen Tag zu Bett, ohne etwas componirt zu haben zu Mariens Ehren in den letzten 20 Jahren.

Die Klöster der Servitinen und Schulschwestern in München, wo er den Unterricht in der Musik und den Chor leitete, sowie früher in Dietramszell, verdanken ihm viel, sie haben auch noch viele ungedruckte Compositionen des Meisters!

Er war unvermählt, mit einer Schwester brüderlich lebend, feingebildet, bescheiden, aufrichtig, fromm und kindlich katholisch. Er starb, reif für den Himmel, im Alter von 88 Jahren, gerade im Mai, wo er so viel gethan, für das Lob der Marienkönigin.

Sion Nr. 38. Eine Stimme in der Kirche für unsere Zeit. Augsburg. Samstag, den 12. Mai 1867.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.