Kein Grab ist stumm

 

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Oberbayerisches Archiv für Geschichte (1875-1876)

Theodor Heinrich Graf Topor Morawitzky von Tenczin und Rudnitz, Herr der Herrschaften Eberstall, Mosen, Arnstorf und Rammelsreuth, kgl. bayer. dirigirender Justizminister etc. wurde als der Sohn des Vicestatthalters Joseph Clemens am 21. Oktober 1735 zu München geboren. Seine erste pädagogische Bildung erhielt er zu Frankfurt, kam dann an das Gymnasium und Lyceum zu Amberg und 1754 nach Ingolstadt, wo er bis 1756 Jurisprudenz studirte. Nach Vollendung der Studien machte er mehrere größere Reisen in Deutschland und Frankreich. Schon in seinem 23. Lebensjahre wurde er zum wirklichen frequentirenden Hofrath in München ernannt, und dann auf Wunsch nach Amberg versetzt, von wo er 1746 nach München zurückberufen und zwei Jahre später zum Revisions- und obersten Justizrath befördert wurde.

Seine ausgebreiteten Kenntnisse erwarben ihm 1765 die Aufnahme als ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften, als deren Vicepräsident er trotz mancher Anfeindungen rühmlich zur Vervollkommnung dieses Institutes beitrug, ebenso ernannte ihn die ökonomische Gesellschaft zu Burghausen zu ihrem Präsidenten. 1776 erhielt Morawitzky die Stelle eines Vicepräsidenten im Hofrathe, 1778 die Ernennung zum Hofkammerpräsidenten und 1781 zum Curator bei der neuerrichteten Schul-Curatel. Bei Errichtung der Oberlandesregierung wurde er Präsident dieser Stelle, und bekleidete sie bis zum Jahre 1791, in welchem er nach Niederlegung seiner Aemter* sich auf die ihm bei Errichtung des Johanniterordens in Bayern verliehene Commende Biburg zurückzog, und hier sieben Jahre lang in philosophischer Ruhe dem Studium der Geschichte, sowie der Verbesserung der Schulen lebte (*Die Niederlegung der Aemter scheint die Folge einer Denunciation gewesen zu sein, welche von Seite des berüchtigten »geheimen Ausschusses« gegen Morawitzky als Großmeister der Freimaurerloge bei dem Churfürsten eingereicht wurde. Schon wegen dem im Jahre 1773 erschienenen Prospekt der freres des tablettes, hinter denen man eine gefährliche, geheime Gesellschaft witterte, hatte er Verfolgungen auszustehen.). Im Jahre 1797 wurde er zum Reichsfriedenscongresse nach Rastatt abgeordnet und am 22. Februar 1798 zum bevollmächtigten Minister in der Reichsfriedensdeputation ernannt. Nach Beendigung dieses Geschäftes kehrte er nach Bayern zurück, und wurde nach dem Tode Carl Theodors von dessen Nachfolger Churfürst Maximilian Joseph (17. Juni 1799) mit Leitung des geistlichen Departements, mit der der Titel und Rang eines Conferenzministers verbunden war, betraut. Im Jahre 1806 wurde Morawitzky dirigirender Minister des Justiz-und Polizeidepartements und erhielt bei der im Oktober desselben Jahres vorgenommenen Reorganisation des Ministeriums die Leitung des Justizwesens. Während der Abwesenheit des Ministers Montgelas übernahm Morawitzky auch die diesem zustehenden Portefeuilles und versah trotz des Gefühles der Abnahme seiner Kräfte alle diese Geschäfte mit dem größten Eifer bis zu seinem nach kurzem Leiden am 14. August 1810 erfolgten Tode.

Ihm folgte die Schätzung seines Monarchen, die Verehrung und Liebe aller, die ihn kannten, und die Thränen manches Unglücklichen, der nun der sonst bei ihm gefundenen Hilfe und Unterstützung entbehrte, in das Grab.

Außer einer hohen wissenschaftlichen Bildung, war er ein Kenner der Künste und unterstützte sie. Die am Eingänge des englischen Gartens stehende Statue eines Jünglings, der Harmlos genannt, ließ er um den Preis von 1550 Gulden durch den Bildhauer Schwanthaler fertigen.

Als Schriftsteller veröffentlichte er 1769 eine akademische Rede: Vom Nutzen der Wissenschaften in Rücksicht auf Bildung des Herzens, 1773 und 1774 ein paar Lustspiele, außerdem mehrere Flugschriften und Aufsätze in Journalen.

Oberbayerisches Archiv für Geschichte, herausgegeben von dem historischen Vereine von Oberbayern. München, 1875-1876.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.