Kein Grab ist stumm

 

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Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Jacobi Friedrich Heinrich, 1743 (Düsseldorf) - 1819, Philosoph, Dichter und Akademiepräsident; er war zuerst Kaufmann, wurde 1772 Beamter und war 1807-1812 Präsident der BAkdW; 1760-1764 wurde J. in Genf mit J.-J. Rousseaus Denken vertraut, 1775 lernte er J. W. von Goethe persönlich kennen (beider Einfluß auf Js. philosophischen Romane »Allwills Briefsammlung« und »Woldemar«), stand mit diesem und mit J. K. Lavater, Ch. M. Wieland, M. Claudius, J. G. Hamann, J. G. von Herder in zum Teil gegenseitig fruchtbaren freundschaftlichen Beziehungen, in Verbindung auch mit der Fürstin A. von Gallitzin und J. M. Sailer; mit seinem persönlichen Einfluß, seiner reichen Korrespondenz und seinen kritischen Schriften gegen M. Mendelssohn (wodurch er ungewollt eine Spinoza-Renaissance hervorrief), gegen J. Kant, gegen J. G. Fichte und F. W. von Schelling wurde J. neben Hamann zum Wortführer der gegen den Rationalismus der Aufklärung gerichteten Gefühls- und Glaubensphilosophie; ihre Wirkung erstreckte sich auch auf den Sturm und Drang, F. von Schiller und die Romantik, im theologischen Bereich katholischerseits bis in die Tübinger Schule, im protestantischen Bereich wurde ihr eigenes Anliegen später von F. E. v. Schleiermacher entfaltet; die Verstandeserkenntnis erfaßt nach J. nur das Nichtgöttliche, Endliche, Bedingte; ihre systematisch-geschlossene Ausbildung erweist sich notwendig als Atheismus; alle historischen und dogmatischen Fixierungen bedeuten bereits eine unvermeidbare Beschränkung und insofern Verfälschung; den Gegensatz von Verstand und Vernunft vermochte J. »mit dem Kopf ein Heide, mit dem Herzen ein Christ«, nicht zu überbrücken.

Hauptwerke: Über die Lehre Spinozas in Briefen an M. Mendelssohn, D. Hume über den Glauben (gegen Kant), Sendschreiben an Fichte, Über das Unternehmen des Kritizismus, die Vernunft zu Verstande zu bringen, Von den göttlichen Dingen (gegen Schelling), Werke 6 Bde.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.