Kein Grab ist stumm

 

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Kunst- und Literatur-Blatt (1821)

Nekrolog.

Anton Will, k. Medizinalrath, und erster dirigirender Professor der k. Zentral-Veterinär-Schule zu München, starb, 69 Jahre alt, am 13. Sept. Nachts 12 Uhr an der Wassersucht, unvermuthet vom Schlage getödtet.

Er ist zu Srtraßburg geboren, wo sein Vater Regiments-Chyrurg unter royale Baviere war; seine Mutter zu Gegenbach, unweit Amberg geboren, war die Schwester des zu Amberg bereits gestorbenen Medizinal-Rathes und Oberstaabsarztes Egid Ströhl. Da sein Vater frühe mit Tod abgieng, so nahm der Onkel sich seiner und der Schwester Magdalena an, und erzog beyde Kinder, da er kinderlos war. Will studirte am Gymnasium und Lyzeum zu Amberg, dann auf der hohen Schule zu Ingolstadt die Medizin, wornach er daselbst Professor geworden, und ein neues Nervenpaar im menschlichen Körper entdecket hat.

Er war einer der ersten Professoren, und vorzüglich geschickt in anatomischen Präparaten, deren mehrere zu Paris und in London sich befinden, und eben so zu Ingolstadt, nunmehr Landhut, wo sie jeder Kenner, der dahin kommt, vorzüglich bewundert.

Hierauf reiste Will auf Kosten des obengenannten Onkels nach Straßburg und Paris, wo er medizinisch und chyrurgische Kollegien theorethisch und praktisch gehört, und begab sich endlich nach Charenton, wo er die Vieh-Arzneykunde theor. und prakt. zwey Jahre lang erlernte, dann aber nach Baiern zurück wo er 1804 Professor der Vieharzneykunst an der hohen Schule zu Ingolstadt geworden, welche damals auch die Juristen nebst den Medizinern studiren mußten. Aber hier war nicht der Wirkungskreis für Will, und die Sache selbst die nicht, welche sie hätte seyn sollen. Churfürst Karl Theodor errichtete, auf Antrag des Genal. Lieut. Grafen von Rumford eine Veterinär-Schule zu München im englischen Garten 1790, und stellte sie der Oberaufsicht des Hofkriegsrathes unter, der hiezu zwey Kommissarien, den damaligen Oberst des 2ten Chevauxlegers Regiments und nunmehrigen Chef des Gen. Audit. Alois Grafen von Taufkirch, und den Hofkriegsrath-Assessor von Lipowsky ernannte, und die Gebäude des ehemaligen Jesuiten-Waschhauses nebst Garten zur Unterbringung dieser Schule kaufen ließ. Der Lehrkurs für die Zöglinge aus dem Civil- und Militär-Stande war auf drey Jahre festgesetzt, auch wurde den Schmieden praktischer Unterricht in der Pferdebeschlagkunde ertheilt.

Der Nutzen dieser Anstalt ergab sich bald, denn ohngefähr 1½ Jahr nach ihrer Entstehung brach eine Viehseuche im Lande aus, und Will begab sich mit seinen Eleven und dem Lehrpersonale an alle Orte des weiten Umkreises, und steuerte dort dem Übel. Da mit Anfang der dermaligen Regierung der Hofkriegsrath aufgehoben wurde, so wurde die Veterinär-Schule dem Oberststallmeisterstabe untergeordnet.

Alle Jahre wurde in diesem Institute öffentliche Prüfung gehalten, und so dem Volke gezeigt, welche in der Vieharzneykunde verständige, theoretische und praktische geübte junge Männer dem Vaterlande heranreifen. Will gehörte zuverläßig unter die ersten Ärzte der Vieharzneykunde, und zu bedauern ist es, daß er hierüber nichts mehr geschrieben und durch den Druck bekannt gemacht hat.

Viele vorzügliche Kenntniße und von ihm gemachte Erfahrungen, dann hieraus abstrahirte Grundsätze, die vielleicht kein Jahrhundert wieder entdeckt, wurden leider mit ihm zu Grabe getragen; sie leben vielleicht, und das zu unserm Troste gesagt, in Hrn. Professor Mundigl und einigen seiner Zöglinge fort; auch bestehen von Mettenleitner, der sich zum Thierzeichner bildete, einige Zeichnungen seiner thierischen Präparate.

Will's Schwester hat in Amberg den Hofkammerrath Gundling geheurathet, nach dessen Tode sie sich nach München begeben, und da auch gestorben ist. Sein Bruder gieng in k. Dänische Dienste und starb da als Rittmeister unter der Garde. Will war verheurathet mit Maria Meyer, eines Landesdirek. Sekretärs-Tochter, welche schon vor mehreren Jahren gestorben, er hinterließ aber keine Kinder.

Er war einer jener gemüthlichen, ruhigen Menschen, die den Ernst des Lebens mit einer Art Gleichmuth ertragen, welche nur die heitersten Ansichten nährt. In seinem Umgange wurde es allen leicht; und man darf sagen, er gieng allgemein bedauert aus diesem Leben, das ihm keine Last war.

Kunst- und Literatur-Blatt aus Bayern. Eine Beilage zur Eos Nro. 38. September 1821.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.