Kein Grab ist stumm

 

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Universal-Lexicon der Tonkunst (1840)

Santini, geboren 1798 und gestorben zu München im Oktober 1836, war einer der ausgezeichnetsten Baßbuffonisten. Seinen Vornamen wie seinen Geburtsort können wir nicht bestimmt angeben. Mit Wahrscheinlichkeit jedoch läßt sich Bologna als letzterer annehmen, denn hier verlebte er seine erste Jugend und ward zum Sänger gebildet. Reiche Stimmmittel standen ihm nicht zu Gebote, aber in Verwendung dessen, was er besaß, entwickelte er ein eminentes Talent und eine bedeutende Kunstfertigkeit. Durchschnittlich gelangen ihm alle Baßbuffoparthien bis zur Vollendung. In Frankreich und Italien, wo er früher reiste, erregte er großes Aufsehn, und auch in München, wo er Anfangs nur für die italienische Oper gewonnen war, hatte er sich binnen Kurzem zu einem Liebling des Publikums aufgeschwungen. Nur wo seine Komik ans Burleske zu streifen hatte, verzerrte er die Darstellung leicht zur Carricatur. Sein ganzes Talent gehörte der reinen Komik an, war hier aber auch von einer bewunderungswürdigen Schöpfungskraft. Als die italienische Oper in München aufgelöst ward, suchte man ihn deshalb für die deutsche Bühne zu gewinnen, deren schönste Zierde er auch in seinem Fache gewesen seyn würde, hätte der Tod ihn nicht so bald von allem Irdischen abberufen.

Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften oder Universal-Lexicon der Tonkunst. Stuttgart, 1840.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.