Kein Grab ist stumm

 

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich (1874)

Rhomberg, Joseph Anton (Maler und Lithograph, geb. zu Dornbirn in Vorarlberg im Jahre 1786, gest. zu München 3. December 1853). Zeigte früh Talent für die Kunst, aber die ländlichen Arbeiten, welche er verrichten mußte, ließen ihm wenig Zeit, sich fortzubilden. Erst als er bereits 22 Jahre alt war, im Jahre 1808, ging er nach München, wo er die Akademie der bildenden Künste besuchte und sich unter der Leitung ihres Directors Johann Peter von Langer, der sich des talentvollen Jünglings theilnahmsvoll annahm, in der Kunst ausbildete, in welcher ihm sein Meister auch in den späteren Arbeiten das Vorbild blieb.

Im Jahre 1814 wurde seinem Bilde: »Noah’s Dankopfer nach der Sündfluth« der Preis zuerkannt. Rhomberg selbst hat sein Gemälde leicht im Umriß lithographirt. Im Jahre 1816 verließ Rhomberg München und begab sich nach Wien, wo seine Arbeiten, theils Bildnisse, theils Historienstücke, großen Beifall fanden. Etwas über ein Jahr arbeitete er in Wien, dann kehrte er wieder nach München zurück, von wo er sich aber neuerdings nach Wien begab, und nun längere Zeit daselbst blieb und vielfach beschäftigt wurde. In den damaligen Jahres-Ausstellungen in der Akademie der bildenden Künste bei St. Anna waren von ihm zu sehen, und zwar im Jahre 1820: »Abraham bewirthet die Engel«, Zeichnung, auch in Oel gemalt; »Joseph's Kleid wird seinem Vater Jacob gebracht«, Zeichnung; »Die Erweckung des Lazarus«, Zeichnung; »Noah's Dankopfer nach der Sündfluth«, Zeichnung; »Rebecca beim Brunnen«, Oelbild; »Die Religion«, Oelbild; »Heilige Familie«, Oelbild; im Jahre 1822: »Sybilla«, jetzt im Innsbrucker Museum; »Christus«; »Die Schweizer am Rätli«; »Madonna mit Jesus und Johannes«; »Abel's Tod«; »Die Sündfluth«.

Im Jahre 1827 erhielt Rhomberg eine bayerische Staatspension und bald darauf die Stelle eines Professors der Zeichnenkunst in der königlichen polytechnischen Schule in München, welche er bis an sein Lebensende bekleidete. Die Arbeiten des Künstlers sind zahlreich, viele befinden sich im Besitze von Kunstfreunden. Mehrere derselben sind, theils von ihm selbst, theils von Anderen lithographirt, in weiteren Kreisen bekannt geworden.

Sein Talent war vielseitig und es sind von ihm Bildnisse, geschichtliche und biblische Darstellungen, Genrebilder u. s. w. bekannt. Vieles, was er für Private und Kunstfreunde gemalt, gelangte nicht in die Oeffentlichkeit. Von den in Kirchen, im Privatbesitze befindlichen oder durch den Steindruck vervielfältigten Gemälden Rhomberg’s sind anzuführen: »Die Taufe Christi«, Altarblatt in der Pfarrkirche zu Rosenheim; »Maria mit dem Jesuskinde, von Engeln umgeben, reicht dem h. Dominicus den Rosenkranz und der h. Katharina das Skapulier«, in der Kirche seines Geburtsortes Dornbirn in Vorarlberg; »Die Anbetung der Hirten«, Hochaltarblatt in der Frauen- (Metropolitan-) Kirche zu München; »Abraham bewirthet die Engel«; »Die Hoffnung mitten im Meere«; »Der Zitherspieler bei einer Bauernfamilie«, im Besitze der Königin von Preußen; »Heilige Familie mit dem kleinen Johannes«; »Verlobung der h. Katharina«, dieses und das vorige nach Rhomberg’s Gemälden, ersteres von Hanfstängel, letzteres von Pflaum lithographirt; ebenso »Christus am Kreuze«, lithographirt von H. Weihaupt; ferner von dem Künstler selbst nach den eigenen Bildern lithographirt: »Die h. Familie« (le benedicité) in Fol., die Original-Kreidezeichnung dieses Bildes stand in R. Weigel’s Kunstkatalog mit dem Preise von 8 Thlr. 12 Gr.; »Die h. Familie in der Werkstatt« (Fol.); »Die Verlobung der h. Katharina« (Fol.), dieses Gemälde wurde von Ludwig Pflaum lithographirt, hat aber auch der Künstler selbst auf Stein gezeichnet; »Madonna mit dem Kinde, von Engeln umgeben« (Fol.); »Die h. Cäcilia mit drei Engeln» (Fol.); »Abel's Tod« (gr. Qu. Fol.) und »Scene aus der Sündfluth« (gr. Qu. Fol.), die letzten zwei für die Sammlung der Originalzeichnungen lebender bayerischer Künstler.

In seiner Eigenschaft als Professor der Zeichnenkunst gab R. auch ein größeres Unterrichtswerk heraus unter dem Titel: »Vollständiger Unterricht in der Figurenzeichnnng, zum Gebrauche für Schulen und zur Selbstunterweisung. Aus berühmten Kunstwerken grosser Maler und Bildhauer, wie auch aus eigenen Compositionen zusammengestellt«, I. Abtheilung. 36 Bl. in Qu. Fol., Umrisse enthaltend, nebst beigefügter Muskel- und Knochenlehre (München). Eine Fortsetzung dieses Werkes scheint nicht herausgekommen zu sein.

Nagler. Die Monogrammisten. I. Band. Nr. 1180. Söltl (Dr.), Die bildende Kunst in München. S. 251. Tirolisches Künstler-Lexikon (Innsbruck 1830, Felic. Rauch. 8°.) S. 209. Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon(München 1839, Fleischmann. 8°.) Bd. XIII, S. 92. Tschischka (Franz), Kunst und Alterthum in dem österreichischen Kaiserstaate (Wien. Fr. Beck. gr. 8°.) S 392. Verzeichnisse der Jahres-Ausstellungen in der k. k. Akademie der bildenden Künste bei St. Anna, 1820, S. 4, Nr. 11; S. 5, Nr. 37 u. 40; S 6, Nr. 51; S. 12, Nr. 8; S. 14 Nr. 38; S. 17, Nr. 116; S. 18, Nr. 123; 1822, S. 18, Nr 88; S. 19, Nr 118 u. 119; S. 20, Nr. 144; S. 26, Nr. 285; S. 27, Nr. 290.

Dr. Constantin von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Wien, 1874.

 

 

 

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