Kein Grab ist stumm

 

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Münchener Conversations-Blatt (1831)

Endlich hat man auch den zweiten Leichnam der vermißten zwei ledigen, herzogl. zweibrückischen Kammerdieners-Töchter, Elise und Amalie Klein, beide in den dreißiger Jahren, aus einem Isar-Kanal gezogen, deren Hüte, Regendach und Hausschlüssel vorher gefunden wurden. Schauerliche Entschlossenheit zweier sich bis in den Tod liebender, arbeitsamer, aber dürftiger Schwestern!

Vor kurzem der alten Mutter und mit ihr einer kleinen Pension beraubt, konnten sie sich fast nichts mehr mit Handarbeit verdienen, und mußten daher anfangen, ihre reinliche Habe zu veräußern. Jemand bemerkte die Unglücklichen inbrünstig zu Gott flehend, in der schmerzhaften Kapelle; die jüngere weinte hierauf heftig, während die andere gefaßter schien. Im Weggehen legten beide ihre (letzte) Gabe in den Opferstock und nahmen ihren Weg Isar aufwärts.

Es ist ihrer Zurückgezogenheit zuzuschreiben, daß weder die erst noch die zweit Gefundene nach mehrtägigen Zwischenräumen erkannt wurde, selbst von der Polizei nicht, während der Hausherr in der Landwehrstraße auch unterließ, ihren Abgang anzuzeigen.

Münchener Conversations-Blatt Nro. 355. München. Mittwoch, den 21. Dezember 1831.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.