Kein Grab ist stumm

 

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Bayerischer Volksfreund (1831)

Die beiden im Isarkanale am 14. und 18. d. todtgefundenen Mädchen sind Kammerdienerstöchter von Neuburg an der Donau. Ihr Vater war in Diensten der Frau Herzogin von Zweibrücken, und verlor wahrscheinlich durch deren Tod, Dienst und Gehalt. Sie lebten mit ihrer Mutter dahier, welche sie im Monat Oktober d. Js. ebenfalls durch den Tod verloren, und nun von aller Hilfe verlassen, in die bitterste Armuth versetzt wurden. Diese Mädchen haben stets einen rechtschaffenen Lebenswandel gepflogen, und nur Mangel an Verdienst, und daher das äußerste Elend haben sie veranlaßt, den gemeinschaftlichen Tod zu wählen. An ihrem Todestage wurden sie in der schmerzhaften Kapelle in größter Andacht betend und heftig weinend gesehen, und ihren letzten Pfenning legten sie dortselbst noch in den Opferstock. Elisabethe und Amalie Klein sind die Namen dieser Unglücklichen, welche vergebens Hilfe bei den Reichen und Großen gesucht, und im 19. und 20. Lebenjahre so unglücklich geendet haben. Viele Diener der verstorbenen Frau Herzogin wurden durch deren Tod brodlos, und nur der väterlichen Fürsorge Sr. Majestät des Königs haben es dieselben zu verdanken daß ein Gesetzentwurf an die Kammern gebracht wurde, wornach diesen Unglücklichen Unterstützung werden soll, welches zwar angenommen, jedoch auch hartnäckig bekämpft wurde.

Der Bayerische Volksfreund Nro. 99. München, Mittwoch, den 21. Dezember 1831.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.