Kein Grab ist stumm

 

Sektionen | Register | Suchen

 

<<< | >>>

 

 

 

Deutsche Allgemeine Zeitung (1849)

Das Begräbniß des Ministerialraths Gabelsberger hat eine Art zelotischen Scandals auf dem Gottesacker veranlaßt. Gabelsberger war in ganz München und Hunderten seiner Schüler und Freunde auswärts bekannt als ein Mann der Liebe und des Friedens, als ein Muster an Sanftmuth, Biedersinn und Rechtschaffenheit. Dem erzeugt Gott in den Augen von Tausenden die Gnade, ihn abzurufen ohne Leiden und Kummer auf dem Krankenbett. Aber die Kirche läßt sich Rechte auf die Seeln so wenig nehmen wie ihre Stolgebühren. Darum ging die kurze Rede am offenen Grabe in Gegenwart von vielleicht Tausend Menschen dahin, ein solcher rascher Tod durch Schlagfluß sei ein Strafgericht des Herrn; also für die arme Seele zu beten! Vielleicht wäre der Priester an Ort und Stelle gemishandelt worden, wenn die Entrüstung dort Zeit gehabt hätte, sich nach außen zu entladen. Dafür ist sie wie ein Blitzstrahl über ganz München hingefahren und widerhallt in tausend Verwünschungen über den unausrottbaren Fanatismus noch zur Stunde fort.

Deutsche Allgemeine Zeitung Nr. 12. Freitag 12. Januar 1849.

 

 

 

<<< | >>>

 

Sektionen | Register | Suchen

 

ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.