Kein Grab ist stumm

 

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Universal-Handbuch von München (1845)

Amsler, Samuel,

k. Professor an der Akademie d. bild. Künste zu München, ist geboren zu Schinznach in der Schweiz, woselbst sein Vater Arzt war. Sehr früh erwachte seine Kunstanlage, und er übte sich ohne irgend eine Beihülfe im Zeichnen, was für lange Zeit seine Lieblingsbeschäftigung auch dann noch blieb, als er im elterlichen Hause die landwirthschaftlichen Geschäfte übernehmen mußte. Er versuchte sich in seinen Mußestunden mit dem Graviren mehrerer Amts- und Handwerkssiegel, so wie im Radiren und Aetzen, und als er sah, daß ihm dies so ziemlich gelang, wollte er sich ganz der Kupferstecherkunst widmen. Er begab sich deshalb im Jahre 1810 nach Zürich, zuerst zu dem Kupferstecher Oberkogler und in der Folge zu dem bekannten Heinrich Lips in die Lehre. Bald erntete er den Beifall seines Lehrers, nachdem er zwei größere Platten nach seines Meisters Zeichnung gelungen ausgeführt hatte.

Um sich an Kenntnissen und Kunstgeschmack zu vervollkommnen, reiste er 1814 nach München, besuchte die Akademie, zeichnete nach der Natur und der Antike und radirte unter Professor Carl Heß mehrere Bilder; 1816 begab er sich nach Rom. Hier war die wichtigste Entwicklungsperiode für seine Kunstrichtung. Die herrlichen Gebilde Raphaels im Vatikan begeisterten ihn; er übte sich durch Zeichnungen an dem Eigenthümlichen dieses Meisters, um es in der Folge im Kupferstichs wieder zu geben. Thorwaldsen und Cornelius beschäftigten zu dieser Zeit schon diesen talentvollen Künstler und er befriedigte sie in hohem Grade. Amslers Arbeiten trugen in rascher Zeltfolge das Gepräge der Treue und Wahrheit im Geiste und Charakter seiner Vorbilder. Nachdem er sich nach wiederholtem Aufenthalt in Rom in sein Vaterland begab, erhielt er den Ruf als Professor an die k. Akademie der bildenden Künste nach München; er nahm ihn an und traf im April 1829 hierselbst ein. Er leitete den Unterricht in der Kupferstechkunst und außerdem war er viel beschäftigt mit größern Arbeiten: als dem Alexanderszug, die Grablegung Christi und eine heilige Familie (nach Raphael), welche den größten Beifall fanden. Aus neuerer Zeit sind seine Kupferstiche: eine Madonna del Tempi, nach Raphael; der Triumph der Religion in den Künsten, nach Overbeck; die Schwanthalerschen Malerstatuen; die Traumdeutung Josephs, nach P. Cornelius; das neueste von ihm in Kupfer gestochene Bild ist die Statue vom Göthe-Monument in Frankfurt a. M.

Universal-Handbuch von München. Herausgegeben von Dr. V. Müller. München, 1845.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.