Kein Grab ist stumm

 

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Weilheimer Tagblatt für Stadt und Land (1873)

Vermischtes.

München, 16. Aug. Unsere Stadt durchläuft die schauerige Kunde eines entsetzlichen Verbrechens. Gestern Nachts zwischen 12 und 1 Uhr wurde die im Hause des Photographen Pössenbacher in der Amalienstraße wohnende Privatiere Fräulein v. Hebberling, eine alte Dame, in ihrer Wohnung überfallen, durch einen Schlag aus den Kopf getödtet und dann ausgeraubt, während man ihre Köchin geknebelt hielt, so daß dieselbe mit dem Schrecken davonkam. Die Thäter bedienten sich zum Einsteigen einer Leiter vom Hofe aus, woraus sich vermuthen läßt, daß es mit den Lokalitäten gänzlich bekannte Leute gewesen seien, die hoffentlich rasch ermittelt und ergriffen werben können. Die Aufregung im Hause der That, wie in der ganzen Nachbarschaft ist begreiflicherweise eine sehr große, denn das Verbrechen ist um so kühner, als das Pössenbacher'sche Haus wie die ganze Amalienstraße dicht bewohnt ist und die Mörder zwei Stock hoch hinaufklettern mußten. Man klagt allgemein über die zu geringe Anzahl unserer Sicherheitsorgane, und es wäre höchste Zeit, daß der Magistrat eine zeitgemäße Vermehrung der Sicherheitsmannschaft, koste es was es wolle, anregte und durchführte, denn Sicherheit der Person und des Eigenthums ist eine der berechtigtsten Forderungen des Einwohners, namentlich in den großen Städten, die, wie jeder Polizeimann leider erfahren muß, von Jahr zu Jahr ein größeres Contingent von Gesindel aufzuweisen haben.

Weilheimer Tagblatt für Stadt und Land No. 188. Mittwoch, den 20. August 1873.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.