Kein Grab ist stumm

 

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Der Bayerische Volksfreund (1826)

Nekrolog.

München den 6. Nov. Gestern Sonntag Nachmittags 4 Uhr wurde die Leiche des Hrn. Oberkriegs- und Militär-Administrations-Kommissärs Sebastian Benz, mit dem vorschriftsmäßigen militärischen Leichen-Kondukte auf die feyerlichste Weise zur Erde bestattet. Mehrere Stabsoffiziere des ersten Ranges, viele Offiziere der Garnison und Administrations-Beamte, dann eine große Anzahl Leidtragender aus allen Ständen begleiteten den Sarg des Verschiedenen zur ewigen Ruhe, und diese, so wie die ungewöhnliche Menge Menschen, welche sich um das offene Grab versammelten, haben im tiefsten und staunenden Schweigen des Pastors ernste Leichenrede und die schönen Worte vernommen, daß Er, der in die Gruft Versenkte, einer der Wenigen gewesen, der nicht nur seinen Berufsarbeiten im strengsten Sinne der Pflichterfüllung zugethan, sondern denselben mit ungetheilter Lust und Liebe wie dem Könige bis zu seiner letzten Todesstunde treu ergeben war.

Hat auch keine Mutter an seinem Sarge getrauert, und haben auch keine Kinder an seinem Grabe geweint, so fielen doch Thränen auf dasselbe. Es waren die Thränen der Dankbarkeit und die des allgemein anerkannten amtlichen Verdienstes seiner Freunde, Gönner und Vorgesetzten, die so zahlreich und in tiefster Betrübniß bei dem letzten Ehrengang an seine Gruft gekommen sind.

Wenn ein königl. Beamter mit unverdrossenem Eifer und unermüdeter Dienstes-Anstrengung Gesundheit und Leben dem Vaterlande und seinem Fürsten opfert, ausgezeichnet genannt zu werden verdient, so darf der mit allen diesen Eigenschaften in seinem 51sten Lebensjahre zu früh Dahingegangene von seinen Obern wie von den Untergebenen hochgeehrte, seit 17 Jahren bei der k. Zeughaus-Haupt-Direktion verwendete Oberkriegs- und Militär-Administrations-Kommissär Sebast. Benz um so mehr als ein ausgezeichneter Staatsdiener verehrt und tief betrauert werden, als der Karakter dieses Edeln auch nebst diesen in so seltenem Verein sich befindlichen Tugenden noch durch eine vielumfassende Intelligenz zu dem schönsten Vorbilde eines Staatsbeamten emporgehoben und auch allenthalben gewürdigt worden ist.

Sieben und dreißig volle Dienstesjahre sind es, - und in diesem Zeitraume vielleicht nicht einmal die nöthigen Ruhe- und Erholungsstunden ausgenommen, - welche Er, der stets zu früh Verblichene mit beispielloser Anstrengung und ohne Rücksichtnahme auf seine seit 5 Jahren in Folge einer schwer überstandenen Krankheit schon sehr geschwächten Gesundheit, dem allerhöchsten Dienst mit unbestechlicher Treue gewidmet, und die im Laufe seiner langen, durch die großen Kriegsereignisse verhängnißschweren Dienstesepoche sich rühmlich und anspruchlos erworbenen Verdienste mögen Ihm, dem Verklärten, verbunden mit dem Nachruf eines Biedermannes ein Denkmal auf das friedenvolle Grab erbauen, welches gewiß mehr als ein fürstliches Prachtmonument für die späteste Nachwelt noch unvergänglich fortbestehen wird.

Der Bayerische Volksfreund Nro. 132. Dienstag. München, den 7. Nov. 1826.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.