Kein Grab ist stumm

 

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Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog (1897)

Windmaier, Anton, Landschaftsmaler, geboren 4. April 1840 zu Pfarrkirchen in Niederbaiern, lernte unter drückenden Verhältnissen bis 1851 das Tischlerhandwerk, ging zur Zimmermalerei über und trat 1862 bei einem Dekorationsmaler zu München in Condition. Jeden freien Augenblick zu landschaftlichen Studien verwendend, förderte er sich ohne fremde Unterweisung bald so weit, dass er schon 1870 sein erstes Bild in die Oeffentlichkeit brachte.

Der ermuthigende Beifall lockte zu weiteren Versuchen; im November 1872 erschienen seine »Kinder am Eis« und bald darauf ein »Winterabend«, wobei der Maler noch an Stademann sich anlehnte, alsbald aber mit einer »Winterlandschaft« (Motiv aus dem Englischen Garten) schon seine eigene Art zu sehen und zu fühlen bekundete. Inzwischen hatte er auch in der religiösen Malerei Versuche gemacht, Heiligenbilder nach alten Meistern copirt und eigene, neue geschaffen.

Nun aber ergriff W. das Herbst- und Winterbild mit besonderer Vorliebe. Hier herrschte er, mit den geringsten Mitteln grosse Erfolge erreichend, wie ein Dichter. Unablässig studirte er die Stimmungen der Natur und verstand es bald, selbe mit virtuoser Technik festzuhalten. Welche Poesie spricht aus seinen Buchenwäldern, durch welche die scheidende Sonne ihre letzten Strahlen sendet! Und wie beredt wusste dieser Herold alles Grosse, Erhabene und Edle der Natur zum Ausdruck zu bringen, in bewunderungswürdiger Feinheit der Stimmung und wohlbewusster Kraft der Farbe!

Insbesondere beliebt wurden seine Mondscheinbilder, die er sowohl an den Strand des Meeres, wie in deutsche Winterscenen, etwa aus der Umgebung von Freising-Haimhausen, verlegte. Auch Regenwetterstimmungen liebte er, am meisten aber doch den durch kalte Winternächte über einsame Höfe, Brüche und Windmühlen vollaufstrahlenden Mond. Was W. auf diesem Gebiete leistete, wird immer zu den Perlen der Münchener Kunst zählen.

Vor der drohenden Gefahr, etwa einer einseitigen Manie zu verfallen, befreite ihn sein schon am 13. Januar 1896 erfolgter Tod. Seine letzten Jahre brachten herbe Erfahrungen. Der Künstler, auf der rechten Seite gelähmt, lag zwanzig Monate krank darnieder; dann erblindete er noch auf dem linken Auge. Trotzdem führte der vielgeprüfte Maler für seine zahlreiche Familie den Pinsel und schuf muthig, wie in den besten Lebenstagen. Bedürfnisse kannte er keine; sein einziges Vergnügen beschränkte sich zeitweise auf Scheibenschiessen, wobei er auch Preise errang.

Nekrologe in der »Allgemeinen Ztg.« vom 15. Januar 1896 und im Rechenschafts-Bericht des Münchener Kunstvereins f. 1895. S. 84.

H. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Berlin, 1897.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.