Kein Grab ist stumm

 

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Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München (1832)

Beilage XIV. Biographische Notitzen über Carl Conjola, Landschaftsmaler.

Carl Conjola, k. Hofmaler und Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste ist am S. Februar 1773 in Mannheim geboren und schon in seiner Kindheit mit seinen Eltern nach München gekommen, wo selbst er sich der Kunst gewidmet und sein Studium vorzüglich auf die Landschaftsmalerei verwendete, wozu er auch wegen seinem entschiedenen Talent schon im Jahre 1792 eine kleine Pension von der damaligen Hofkammer erhielt. Derselbe machte daher, um sich mehr im Zeichnen nach der Natur auszubilden, schon in den Neunziger Jahren mehrere Kunstreisen, besonders aber ins bayerische Gebirge, so wie in den schönsten Gegenden Deutschlands und Italiens, wovon nur einige hier angeführt werden sollen. Im Jahre 1802 ging er nach Sachsen und Preußen. 1804 beschäftigte er sich mit dem Plan zur Aufnahme bayerischer ständischer Klostergebäude für die Regierung. 1807 durchreiste er die obere Pfalz, in dem darauf folgenden Jahre machte er eine Reise über Insbruck durch Tyrol nach Venedig, und von da über Verona zurück. 1811 bereiste er Tirol und einen Theil Oberitaliens zum zweitenmale, von welch letzterer Reise der k. Präsident von Mann eine sehr interessante Sammlung von Gemälden besitzt. Noch im Jahre 1828 machte er eine Reise in die Salzburger Gebirge bis Gastein, zu welcher ihn der höchstselige König Marimilian Joseph durch namhafte Unterstützungen besonders aufmunterte.

Conjola machte sich auf diesen Reisen eine große Sammlung von Skizzen der interessantesten Gegenden zu eigen; seine Gemälde waren allgemein geschätzt und gesucht, insbesondere wußte er seinen Kunsterzeugnissen eine schöne Luftperspective zu geben, worin er einen hohen Grad von Fertigkeit erwarb. 1824 wurde ihm von der Akademie der bildenden Künste bei Gelegenheit der Jubelfeyer der 25 jährigen Regierung des höchstseligen Königs Max Joseph das Diplom als Ehrenmitgied zugesendet.

Conjola war auch, abgesehen von seinem hohen Kunst-Talent ein allgemein geschätzter Mann, er besaß einen biedern Charakter, war ein angenehmer Gesellschafter, und hatte große Gewandtheit im Reiten, wie in der Gymnastik überhaupt, war von Geist und Muth beseelt, und leistete bei mehreren großen Feuersbrünsten der Stadt wesentliche Dienste, indem er hiebei keine Gefahr scheute, was die Behörden in manchem öffentlichen Lob dankbar anerkannten.

Sein thätiges Leben konnte er jedoch nur bis zum Jahre 1825 bringen, um welche Zeit er von mehreren körperlichen Leiden befallen wurde, besonders war sein Nervensystem so zerrüttet, daß er von dieser Zeit an für die Ausübung der Kunst gänzlich unfähig wurde. Ein Nervenschlag traf ihn im Jahre 1829, worauf er nur selten mehr das Krankenbett verlassen konnte, bis er am 19. November 1839 verschied, unersetzlich seinen Freunden, unvergeßlich Allen, die durch nähern Umgang seinen Werth als Mensch und Künstler kennen lernten.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1831. München, 1832.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.