Kein Grab ist stumm

 

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Beilage zur Allgemeinen Zeitung (1884)

F. (Jeanette Büttgen †.) Gestern Nacht entriß uns der Tod eine verdienstvolle Künstlerin unserer k. Hofbühne, Frau Jeanette Büttgen, geb. Dedler, nach langwierigem, schmerzlichem Gehirnleiden und nach 41jähriger Dienstzeit. Sie und ihr Gatte Heinrich Büttgen, der den 10. December 1876 verstarb, nehmen in der Geschichte unseres Kunstinstitutes eine bemerkenswerthe Stelle ein.

Jeanette Dedler, seit 1845 Frau Büttgen, ist eine Schülerin der Charlotte Birch-Pfeiffer; sie kam mit ihrer Meisterin im October 1843 vom Actientheater in Zürich nach München und gastirte mit derselben in Raupachs Tragödie »Kaiser Heinrich VI.« als Irene, in »der Fabrikant« von Devrient als Eugenie, in »Mutter und Sohn« als Selma (Frau Birch-Pfeiffer die Generalin), im »Schmuckkästchen« von Kotzbue als Amalie und in »Hinko der Freiknecht« als Margitta (Frau Birch-Pfeiffer die Margarethe Volkner) und trat mit 1. November in den Verband der Hofbühne an Stelle der Dem. Darcourt.

Frau Büttgen war eine sehr leistungsfähige Schauspielerin; Dingelstedt hatte ihre wie ihres Gatten Vorzüge wohl erkannt und sie in klassischen Stücken in die vorderste Reihe der Acteurs gestellt; so spielte Frau Büttgen in »Antigone« von Sophokles die »Euridike,« lange Zeit war ihr die Rolle der Millerin in »Kabale und Liebe« und der Mutter des Clärchen in Goethe's »Egmont« übertragen und die Mehrzahl der Theaterbesucher wird sich ihrer Leistungen gewiß noch freundlich erinnern.

Die nun im 60. Lebensjahr dahingeschiedene Künstlerin erfreute sich des Wohlwollens und der Achtung nicht nur der Theaterbesucher, sondern auch Aller, die ihr im Leben näher traten. Freitag den 7. ds., Nachmittags 3 Uhr, findet das Leichenbegängniß statt.

Zweite Beilage zur Allgemeinen Zeitung Nr. 309. München, Donnerstag, 6. November 1884.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.