Kein Grab ist stumm

 

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Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Büttgen Heinrich, geboren am 4. April 1821 in München. Er war der Sohn des Hof- und Kabinettschlossers Heinrich B. und sollte ebenfalls den Beruf seines Vaters ergreifen. Allein ihn drängte es unwiderstehlich zur Kunst, er nahm Unterricht bei dem Veteranen der Münchener Bühne, Ferdinand Lang und betrat am 9. April 1844 zum erstenmal in Ulm die Bühne. Er mußte an diesem Abende in nicht weniger als drei Rollen im »Verschwender« debütieren. Allerdings wurde seine Stellung später besser, und schon seine nächste Partie war der »Kosinski«.

Er verließ nach einem Jahre dies Engagement und kehrte nach München zurück, wo er als Kunsteleve am Königl. Hoftheater aufgenommen wurde. Am 23. Dezember 1845 betrat er diese Bühne zum erstenmal als »Flurschütz« im »Tell«. Er blieb dieser Kunststätte fortab, und zwar bis zu seinem Tode treu und dürfte es wenige Künstler daselbst gegeben haben, die mit solcher Hingebung dem Berufe und der Kunst gelebt haben, wie B. 1846 wurde er zum Hofschauspieler ernannt, und schwang sich nach und nach bis zu den ersten Charakterpartien empor.

Das Publikum zeichnete diesen unermüdlich strebsamen Künstler, dessen Leistungen bald mustergültig wurden, mit den größten Ehren aus, und waren es namentlich die natürliche Kraft des Ausdruckes und der natürliche Humor, sowie seine herzliche, biedere Gemütlichkeit, die ihm eine große Zahl Verehrer erwarben.

1876 erkrankte er und mühsam schleppte er sich noch am 20. November ins Theater, um den »Ubique« in »Die Maler« zu spielen. Er hatte das Gefühl, daß dies seine letzte Rolle sei, und so war es auch. Am 10. Dezember trug man einen besonderen Liebling des Münchener Publikums zu Grabe.

Ludwig Eisenberg's Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert; Verlagsbuchhandlung Paul List; Leipzig, 1903.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.