Kein Grab ist stumm

 

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Universal-Handbuch von München (1845)

Gail, Wilhelm,

geboren zu München im J. 1804, studirte am hiesigen Gymnasium, und kam 1817 als Zögling der k. Akademie in die Bauschule unter Professor Fischer. Nach 3 Jahren widmete er sich der Oelmalerei und arbeitete Anfangs unter der Leitung seines Schwagers, des k. Hofmalers Peter Heß. Seine ersten Bilder waren meistens Schilderungen aus dem bayerschen Gebirgsleben. Im Jahre 1825 machte er mit dem k. bayerschen Geschäftsträger am sardinischen Hofe Freiherrn v. Malzen eine Reise nach Turin, Hier fertigte er die ,»Monuments Romains dans les états de Sardaigne« in 13 Blättern zu einem Werke, welches der genannte Baron herausgab. Auch noch 12 andere Blätter zu dem Werkchen: »Scene populari de Genova« sind von ihm.

Bald darauf ging er nach Rom, dann nach Neapel und Pesto, wo ihm besonders die Tempel gefielen; er wurde aber durch Krankheit genöthigt, sich über Neapel nach Rom zurückzuziehen, nachdem er in der Zwischenzeit von den interessanten Punkten Amalfi, Sorrento, Pompei, Puzoli, den Inseln Capri, Ischia, Procida viele Skizzen für seine Mappe sammelte. Im November 1827 kam er nach München zurück und malte verschiedene kleine Bilder aus Italien, den Tempel des Neptuns zu Pestum, den Klosterhof zu Biterbo, und gab ein Werkchen von 30 Blättern unter dem Titel: »Erinnerungen an Florenz, Rom und Neapel« heraus. Bald darauf besuchte er Paris im Jahr 1830, ging 1831 nach Italien, eigentlich nach Venedig, wo er mehrere Monate blieb. Zurückgekehrt von dieser Reise nach München vollendete er mehrere Architekturgemälde aus Venedig, deren größtes den Corridor des Dogen-Palastes vorstellt.

Im Jahre 1832 nahm er seine Ersparnisse zusammen und trat eine Reise nach Spanien an, um die dortigen maurischen Denkmale zu zeichnen. Bei dieser schwierigen Reise, wo er viele nichts weniger als angenehme Erlebnisse zu bewältigen hatte, hielt er sich hauptsächlich in Barcelona, Tarragona, Valenzia, Malaga, Gibraltar, Cadiz, Sevilla, Cordova, Granada, Toledo, Madrid und Saragossa auf, und kehrte nach einem Jahre wieder nach München zurück, wo er in architektonischen Bildern seine gesammelten spanischen Skizzen wiedergab, worunter besonders der Löwenhof der Alhambra rühmlicher Erwähnung verdient, welches Bild Se. k. Hoh. der Kronprinz Maximilian von Bayern kaufte. Sein zweites, den Erker der Lindaraja aus der Alhambra, hat der Kronprinz von Preussen, jetziger König Wilhelm lV., erkauft. Diesen ähnliche Bilder waren das arabische Sanctuarium aus der Mosque von Cordova, dann die Ruine des Klosters San Juan de los Reyes in Toledo, mit der historischen Staffage der Erstürmung dieses Klosters durch die Franzosen im Jahr 1810. Die Wölbungen des im mitteldeutschen Style erbauten Kirchenschiffes stürzen zusammen, an den Säulen des Schiffes sind die Heiligenbilder aus Stein, zertrümmert, sichtbar; durch eine weite Oeffnung erblickt man den lichten Himmel, den Thurm der Kirche; Schutt und rauchende Trümmer bedecken den Mittelgrund, auf welchem sich verschiedene kriegerische Gruppen zeigen; man sieht einen Mönch, der sich mit verwundeten Franzosen beschäftigt.

Die Darstellungen von Ansichten Maurischer Gebäude und ihrer eingeschlossenen Höfe läßt die Baudenkmale, welche die Araber einst in Spanien errichteten, selbst in den köstlichen Ueberresten noch bewundern. Ueberhaupt ist Gail als Architekturmaler sehr hoch geschätzt.

Universal-Handbuch von München. Herausgegeben von Dr. V. Müller. München, 1845.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.