Kein Grab ist stumm

 

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Der Bayerische Eilbote (1841)

Es hat sich jetzt wieder bewährt, was hier schon seit Jahres zum allgemeinen Glauben geworden, daß nemlich, so oft unsere Vorstadt Au irgend ein Fest, eine Dult oder sonst dergleichen Ausserordentliches begeht, dieselbe immer vom schönsten Wetter begünstigt wird. Mögen die vorhergehenden Tage, mag selbst der Vorabend noch so sehr stürmisch und regnerisch gewesen seyn, gewiß wird der Morgen des festlichen Tages mit der heiterstes Miene der Sonne beglückt werden. So auch dieser Tage. Hat uns der Monat April in den letzten Tagen der Charwoche, selbst noch am Ostersonntage seine Launen in vollem Maße fühlen lassen; am Ostermontag hat Herr Zacherl seine Hallen und die Quellen des Salvatorbieres geöffnet, und seit dieser Stunde hat auch nicht die mindeste Wolke unsern Himmel getrübt, seit dem Ostermontage hat die liebe Sonne bei uns ihr Feiertagsgewand angelegt, und es scheint, so lange Zacherl-Oel noch fließt, wird auch bei ihr kein Werktag kommen, und sie wird diese Zeit über in ihrem besten Humor bleiben. Aber kaum können auch die ausserordentlich großen Räume des Zacherl-Bräuhauses alle die nach Sättigung lechzenden Pilger in sich fassen, alle Zimmer, der Keller sind überfüllt, selbst in den großen, freien Hofraum fand man am Montage keinen Platz mehr. Eine an diesem Tage dort stattgehabte sehr blutige Schlägerei bildet hier das allgemeine Tagsgespräch, und hat schon, wie es bei solchen Neuigkeiten immer geschieht, bedeutende Vergrößerung und Uebertreibung erlitten, denn, wie das Sprichwort sagt, erzählt der erste Mund den Tod einer Mücke, wird der zwanzigste Mund schon einen Elephanten sterben lassen. Doch werden dadurch die Patienten des Zacherl nicht abgeschreckt, sondern eben dieß Spectakel zieht immer eine noch größere Menge an. Wie lange das Ausschenken des Salvatorbiers heuer noch dauert, hört man nichts Gewisses.

Der Bayerische Eilbote No. 46. Freitag, den 16. April. München, 1841.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.